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Samstag, 10. Januar 2009

Liebeslied

von Alfred Lichtenstein (1889 – 1915)

Helle Länder sind deine Augen.
Vögelchen sind deine Blicke,
Zierliche Winke aus Tüchern beim Abschied.

In deinem Lächeln ruh ich wie in spielenden Booten.
Deine kleinen Geschichten sind aus Seide.

Ich muß dich immer ansehen.

Rastlos

von Luise Hensel (1798 – 1876)

Mir wird's zu eng in meinem Haus,
Ich muß in's weite Feld hinaus.

Ich will durch öde Haide gehn,
Wo Stürm' in hohen Tannen wehn:
Vielleicht verweht der trübe Schmerz,
Vielleicht schweigt dort mein jammernd Herz.

Ich will am Quellenbächlein stehn,
Will in die klaren Wellen sehn:
Vielleicht versenk' ich meinen Schmerz;
Dort schweigt ein Weilchen wohl mein Herz.

Ich will auf hohe Berge gehn,
Will weit durch ferne Fluren späh'n:
Vielleicht verliert sich dort mein Schmerz,
Vielleicht vergeß ich so mein Herz.

Ich will nach Blumen suchen gehn,
Will mich mit Kränzen schmücken schön,
In Blüthen bergen meinen Schmerz:
Vielleicht betrüg' ich so mein Herz.

Ich will – ach nein, ich will nichts mehr;
Die Welt ist trüb' und kalt und leer.

Liebe I

Die treffendste wahrste Schilderung der Liebe ist, daß sie nicht geschildert werden kann.Sophie Mereau (1770 – 1806)

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