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Freitag, 13. Juni 2008

Aber öffne . . .

von Maria Luise Weissmann (1899 – 1929)

Aber öffne nur die Türe,
Aber tritt nur auf die Schwelle,
Hebe kaum den Blick und spüre
Schon die ungeheure Helle,
Schon den Glanz der leeren Räume,
Die wie Wiese rasch erblühten,
Schon den Tanz der schweren Träume,
Die sich hoben, die erglühten . . .
Zärtliche beschwingte Welle,
Sieh, kein Lufthauch, der nicht rühre – –
Aber tritt nur auf die Schwelle,
Aber öffne nur die Türe!

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kathrin (Gast) - 16. Jun, 19:34

Ein Gedicht wie ein Traum - verhalten offen, zögernd, voller sehnsucht und ihr doch nicht trauend. Als ob ein Schleier über den Worte läge, der immer nur kurz, Zeile für Zeile gelüftet würde, damit man nur ja nicht zuviel verspürt und hinein gezogen würde in diese Stimmung. Darum wohl auch sollte man auf der Schwelle zu diesen Worträumen stehen bleiben. Doch die Türe öffnen sollte man zu diesen Worte. Ja, das sollte man.

Liebe Grüße,
Kathrin

Clarisse1 - 17. Jun, 09:40

Diese leise warnenden Zeilen leiten eine Sammlung von Gedichten ein, die zwischen 1922 und Maria Luise Weissmanns frühem Tod 1929 entstanden. Sie erschienen 1932 unter dem bezeichnenden Titel "Imago" im Verlag ihres Mannes, dem Verleger Heinrich F. S. Bachmair, den sie 1922 geheiratet hatte.

Schön, dass Du hier warst, liebe Kathrin!
Es grüßt herzlich
Clarisse

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