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Freitag, 26. Juni 2009

Ich und Du

von Bruno Wille (1860 – 1928)

Wir hielten uns umschlungen;
Nachtodem hauchte mild,
Der Junimond durchblaute
Gebüsch und Grasgefild.

Ich staunte in die Landschaft;
Die lag so fremd. Doch klang
Geheim aus Sternenmeeren
Ein heimatlicher Sang.

Ich staunte in dein liebes,
Mondbleiches Angesicht/
Auf deiner Augen Grunde
Erglomm ein fremdes Licht.

Und dich auch sah ich staunen;
Die Lippen zuckten stumm.
So weh war unsre Liebe/
Wir ahnten wohl, warum.

So weh/ ob Mund an Munde
Auch süßen Taumel trank;
So weh/ ob Aug in Auge
Auch liebetief versank.

Wir fühlten, Herz an Herzen,
Wie ewig dich und mich
Ein banger Abgrund scheidet/
Wir sind ja du und ich!

Wir schluchzten auf/ vor Heimweh!
Die Heimat liegt so weit,
Dort hinter Sternenmeeren,
Weit, in der Ewigkeit.

Dort in der Heimat findet
Dies bange Schmachten Ruh:
Es fließen ineinander/
O selig/ ich und du.

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