In diesem Jahr erschienen – soeben auf NZZ Online angezeigt:
Fritz Mauthner: Nach berühmten Mustern. Parodistische Studien – Gesamtausgabe. Hrsg. von Almut Vierhufe. Mit einem Nachwort und Anmerkungen von Almut Vierhufe. Hannover: Wehrhahn Verlag 2009.
[Bibliothek des 19. Jahrhunderts, Bd. 7]
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Clarisse1 - 26. Nov, 14:30
Von meinen Tausend Reim-Sprüchen
von Friedrich von Logau (1605 – 1655)
Bißher gab mein Papier wol tausenderley Sachen,
Die dem, der drüber kümmt, bald bringen Ernst, bald Lachen;
Doch bitt ich den, der kümmt, daß Ernst und Lachen nicht
Sey allemal mit Ernst und Lachen bald gericht.
Clarisse1 - 19. Nov, 13:29
Es leben die Philister, ihre Gevattern und ihre Geschwister! Denn wenn die Philister nicht mehr leben, so wird es auch keine Poeten mehr geben.August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)
Clarisse1 - 19. Nov, 12:56
von Peter Altenberg (1859 – 1919)
Niemand geht gern auf die Straße, wenn er nicht aus irgendeinem Grunde muß. Die Kleider leiden, die Hüte schrumpfen ein, das Schuhwerk ächzt, kurz Alles befindet sich in einer gewissen Desorganisation. Die Straßen sind finster, feucht, unappetitlich. Man geht und schleicht, Lebens-müde. Hoffnung ist dahin. Man klammert sich an März, April, Mai, aber wo sind sie?! Unser ganzes Hotel-Personal hat n i e solche Gedanken. Eine merkwürdige Pflicht hält sie aufrecht. Der Tag, die Stunde regiert sie. Nun gut, das Schuhwerk ist feucht, schlapp, nachgiebig, fast zerrissen, aber Niemand hindert es. Man trägt die Unbilden der Natur, die sie Einem auferlegt. Nie eine Klage, eine Melancholie, sondern adeligste Ergebenheit in des Daseins unverständliches Schicksal! Womit man sie erfreuen kann?! Mit einem Uhrenständer, einem praktischen Tintenfaß, einer besonderen Vase. Sie gehen schlafen wie schlafbedürftige Tiere, rollen sich ein und schlafen bereits. Es ist nicht Resignation, es ist "gute Erziehung" von innen heraus. Ein Loch im Strumpfe ist keine Lebens-Angelegenheit, man näht es zu – oder man läßt es offen. Um 6 Uhr steht man auf, um Mitternacht rollt man sich unter die Bettdecke. "Hoffnungen" existieren nicht in diesen gesunden Gehirnen. An freien Tagen geht man ins Kino. Weshalb?! Niemand weiß es, man zieht "Knöpfelstiefer" an.
"Wie war es denn im Kino, Marie?!"
"No, so so, junger Herr, die Musik war gar nicht so schlecht."
Niemand hat eine Idee von dieser pathologischen Genügsamkeit. Das Einrollen in die schwere Bettdecke, wenn der Schlaf kommt, ist der Höhepunkt dieses N i c h t -lebens! Still trägt Jede ihre unabwendbare Lebensbürde. Eine Wunderbare kam zu mir: "Schenken's mir Ihre Sandalen, meine Sohlen sind durchgewetzt!" Ich schenke ihr meine Sandalen. "Die Leute werden mich auslachen, aber ich werde sagen, bitte, ich bin eine Schülerin vom Meister Altenberg!"
Clarisse1 - 6. Nov, 14:22
Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden, unseren vertrauten Lebensgefährten.Ludwig Feuerbach (1804 – 1872)
Clarisse1 - 21. Okt, 17:56
Der Sinnenrausch ist zur Liebe, was der Schlaf zum Leben.Novalis (1772 – 1801)
Clarisse1 - 11. Okt, 15:19
Alberne Leute sagen Dummheiten, Gescheite machen sie.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)
Clarisse1 - 10. Okt, 10:55
Ich bin sehr für geliehene Bücher. Hat man selbst das Buch, glaubt man: ein andermal!Theodor Gottlieb von Hippel d. Ä. (1741 – 1796)
Clarisse1 - 8. Okt, 12:15
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muß es besitzen.Friedrich Nietzsche (1844 – 1900)
Clarisse1 - 8. Okt, 10:13
Eifersucht ist Liebesneid.Wilhelm Busch (1832 – 1908)
Clarisse1 - 7. Okt, 04:43
Bescheidenheit bei mittelmäßigen Fähigkeiten ist bloße Ehrlichkeit : bei großen Talenten ist sie Heuchelei.Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)
Clarisse1 - 6. Okt, 09:54
Clarisse1 - 5. Okt, 13:36
"Die Silberlinden des Platzes und der ausmündenden Straßen waren schon gelb und dünn belaubt, aber eine heißrote Oktobersonne schien durch weißlichen Staub und Dunst und machte die grüne, weißschäumende Limmat, deren lebendige Wasser, rasch und wirbelnd nach der Aufstauung, zu den Mühlen unterhalb der Brücken niederrauschen, zu einem erfrischenden, Erquickung hauchenden Anblick."
Aus: Ilse Frapan (1849 – 1908): Arbeit. Berlin: Gebrüder Paetel 1903.
"Matt und warm lag die Oktobersonne über dem Land; die Wälder flammten im Herbstlaub, die Äcker dehnten sich kahl, den Hügeln der Frankenhöhe entlang zogen Wolken als föhniger Flaum."
Aus: Jakob Wassermann (1873 – 1934): Das Gänsemännchen. Berlin: S. Fischer 1915.
"So kam nun der große Festtag heran, von der goldig mildesten Oktobersonne geleitet, welche einen Duftschleier nach dem andern von der Erde hob und zerfließen ließ, bis alles Gelände mit Bäumen und Hügeln in warmem Farbenschmucke erglänzte und die Ferne ringsherum in geheimnisvollem Blau eine glückverheißende Zukunft darstellte."
Aus: Gottfried Keller (1819 – 1890): Das Sinngedicht. Berlin: W. Hertz 1882–1884.
Clarisse1 - 3. Okt, 13:14
von Karoline von Günderode (1780 – 1806)
O reiche Armuth! Gebend, seliges Empfangen!
In Zagheit Muth! in Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage,
Siegend mit zaghaftem Bangen.
Lebendiger Tod, im Einen sel'ges Leben
Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben,
Genießend schmachten,
Nie satt betrachten
Leben im Traum und doppelt Leben.
Clarisse1 - 1. Okt, 14:51
"Septembersonne! In mattem Blaugrün spannt sich der Himmel über Berlin; alles Licht ist gedämpft, und die Schatten haben einen silbernen Ton. Auf den Anlagen der großen Plätze und in den Vorgärten der Häuser, die die Kultur mühsam dem spröden Sandboden abgerungen hat, feiert sie jetzt ihre größten Triumphe: vom hellen Gelb der Linden bis zum dunkeln Rot der Blutbuchen leuchten alle Farben des Herbstes; aus dem grünen Rasenteppich glänzen Astern in sanftem Violett und müdem Blau, während sich in wehmütigem Sterben blasse Rosen an die weißen Steinstufen der Estraden schmiegen. Goldene Blätter tanzen in lind bewegter Luft, und unter den Bäumen sitzen auf weißen Bänken jene modernen Frauen der Großstadt, die starke Farben scheuen wie starke Gefühle und Kleider tragen, die aussehen, als wären sie in der Sommersonne verblichen."
Aus: Lily Braun (1865 – 1916): Memoiren einer Sozialistin. Lehrjahre. München: Albert Langen 1909.
Clarisse1 - 24. Sep, 17:19
Je größer durch Erziehung und Tradition die Spannung zwischen den Geschlechtern wird, desto größer wird eine aufgeblasene Sexualromantik, auf der die Neurosen nur so blühen.Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Clarisse1 - 14. Sep, 12:52