Sommer

Donnerstag, 7. August 2014

Eine Wannseegeschichte . . .


Paula
von Klabund [i. e. Alfred Henschke (1890 – 1928)]

Paula, ein junges Mädchen von zweifelhaftem Berufe und lockeren Sitten, begab sich an den Wannsee und mietete sich dort ein Ruderboot, die Stunde zu 85 Pfennig. Wie sie es so von ihrem Leben gewohnt war, ließ sie sich von der Strömung treiben. Plötzlich teilten sich die Wogen vor ihr und ein junger Mann tauchte gleich einem Nix aus der grauen Flut und schwang sich mit nervigen Fäusten in das Boot. Er trug nicht einmal einen Badeanzug, was sie keineswegs verwunderte.
"Sind Sie ein Wassergott?" fragte Paula, die sich zuweilen mit Mythologie beschäftigte.
Der junge Mann öffnete den verständnislosen Mund zu einem gewinnenden Lächeln.
"Gewiß doch; ich bin Stadtreisender."
"Warum, wenn man fragen darf? Und was suchen Sie bei mir?"
"Eben das", sagte der junge Mann und deckte seine Blöße mit einem Schatten zu, der von seinem Haupte fiel.
Darauf zog er einen Ring von seinem Finger und flüsterte: "Elli, meine süße Braut."
Paula, auf rechten Namen weniger als auf rechte Gesinnung bedacht, wagte es nicht, den Jüngling zu desillusionieren und ihm einen Korb zu geben, den er sich hätte höher hängen können, und sie waren sehr glücklich.
Nach einer halben Stunde sah der Jüngling erschreckt zum Himmel und rief: "Es ist schon halb vier", worauf er in den Wellen mit einem Hechtsprung verschwand, den ihm so leicht kein Hecht nachmachte. Paula winkte ihm, bis er im Freibad verfloß. Dann kam sie wieder zu sich und bemerkte den Ring an ihrem Finger. Sie küßte ihn und ruderte ans Ufer, bis sie Schwielen an den Händen bekam. Sie nahm in der Stadtbahn ein Billett zweiter Klasse, während sie sonst nur dritter fuhr.
Sie ging zu einem Juwelier.
Der Ring war falsch.
Empört durchbohrte sie den Juwelier, der ihr diese schnöde Auskunft gab, mit einer Hutnadel, welche trotz polizeilicher Vorschrift ungesichert war.
Die Polizei sollte wirklich darauf achten, daß ihren Verordnungen besser entsprochen wird. Viele Verbrechen und Unglücksfälle ließen sich so auf die einfachste Art vermeiden.
Paula beschloß, Jünglingen ohne Badehose künftig aus dem Wege zu gehen.

aus: Kunterbuntergang des Abendlandes

Samstag, 14. August 2010

Sommernacht im Hochwald

von Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Im Hochwald sonngesegnet
hat's lange nicht geregnet.

Doch schaffen sich die Bäume
dort ihre Regenträume.

Die Espen und die Erlen –
sie prickeln und sie perlen.

Das ist ein Sprühn und Klopfen
als wie von tausend Tropfen.

Die Lärchen und die Birken –
sie fühlen flugs es wirken.

Die Fichten und die Föhren –
sie lassen sich betören!

Der Wind weht kühl und leise.
Die Sterne stehn im Kreise.

Die Espen und die Erlen:
sie schaudern tausend Perlen . . .

Dienstag, 28. Juli 2009

Sommerglück

von Gustav Falke (1853 – 1916)

Blütenschwere Tage
In Düften und Gluten rings,
Mein Herz tanzt wie auf Flügeln
Eines trunkenen Schmetterlings.

Die Rosen über den Mauern,
Der Birnbaum darüber her,
Alles so reich und schwer
In sehnenden Sommerschauern.

Das juligelbe Land
Mit dem träumenden Wälderschweigen
Fern am duftigen Rand,
Darüber die Wolken steigen –

O, wie sag ich nur,
Was alles mein Wünschen ins Weite führt!
Mich hat des Glücks eine leuchtende Spur
Mit zitternder Schwinge berührt.

Montag, 6. Juli 2009

Vor dem Sommerregen

von Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Auf einmal ist aus allem Grün im Park
man weiß nicht was, ein Etwas, fortgenommen;
man fühlt ihn näher an die Fenster kommen
und schweigsam sein. Inständig nur und stark

ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,
man denkt an einen Hieronymus:
so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer
aus dieser einen Stimme, die der Guß

erhören wird. Des Saales Wände sind
mit ihren Bildern von uns fortgetreten,
als dürften sie nicht hören was wir sagen.

Es spiegeln die verblichenen Tapeten
das ungewisse Licht von Nachmittagen,
in denen man sich fürchtete als Kind.

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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