Herbst

Samstag, 3. Oktober 2009

Oktobersonne


"Die Silberlinden des Platzes und der ausmündenden Straßen waren schon gelb und dünn belaubt, aber eine heißrote Oktobersonne schien durch weißlichen Staub und Dunst und machte die grüne, weißschäumende Limmat, deren lebendige Wasser, rasch und wirbelnd nach der Aufstauung, zu den Mühlen unterhalb der Brücken niederrauschen, zu einem erfrischenden, Erquickung hauchenden Anblick."

Aus: Ilse Frapan (1849 – 1908): Arbeit. Berlin: Gebrüder Paetel 1903.

"Matt und warm lag die Oktobersonne über dem Land; die Wälder flammten im Herbstlaub, die Äcker dehnten sich kahl, den Hügeln der Frankenhöhe entlang zogen Wolken als föhniger Flaum."

Aus: Jakob Wassermann (1873 – 1934): Das Gänsemännchen. Berlin: S. Fischer 1915.

"So kam nun der große Festtag heran, von der goldig mildesten Oktobersonne geleitet, welche einen Duftschleier nach dem andern von der Erde hob und zerfließen ließ, bis alles Gelände mit Bäumen und Hügeln in warmem Farbenschmucke erglänzte und die Ferne ringsherum in geheimnisvollem Blau eine glückverheißende Zukunft darstellte."

Aus: Gottfried Keller (1819 – 1890): Das Sinngedicht. Berlin: W. Hertz 1882–1884.

Samstag, 31. Januar 2009

Erinnerungen I


Herbst-3-Kopie

Freitag, 31. Oktober 2008

Es geht zu Ende

von Peter Altenberg (1859 – 1919)

Sonniger Herbsttag – – –. An sonnigen Stellen Wärme, Hitze – – an schattigen Stellen Keller-Kälte. Es duftet nach welken Blättern und frischer feuchter Erde. Auf den Uferwiesen stehen kurze dünne helliotropefarbige Striche, Colchicum autumnale.
Braune Libellen baden im Sonnenlichte – – –. Auf der weissen Strasse zwischen den dunkelbraunen Holzbirnbäumen, fährt der Herzog mit seinem Sohne in einer offenen Equipage. Ein Tigerfell liegt über ihre Füsse. Wie sie an dem kleinen sonnengebadeten Friedhofe vorbeikommen, ziehen sie tief die Hüte ab.
Der Diener am Bock macht das Kreuz.
Nur der fette Kutscher sitzt unbeweglich – – er ist im Amte. Er starrt auf die weisse sonnige Strasse mit den Herbstblättern – – –.
Im Garten einer Villa blühen rothe und gelbe Georginen.
Auf einer Bank, in der Herbstsonne, sitzt ein junges Mädchen.
Es träumt: "Wird man heuer die Ballkleider rund ausgeschnitten tragen?!"
Die Georginen werden in allen Farben gezogen – das sind die Harmonieen der Kultur.
Im herzoglichen Garten stehen sie in dicken Büschen, roth und gelb gesprenkelt, weiss und lila, rosa und rostroth, wie Bordeaux-Wein und Safran, wie Alpenglühen und Zimmtfarbe – – –.
Die Equipage fährt ein durch das schmiedeeiserne Gitterthor mit den goldenen Rosetten, der Diener springt vom Bock. Der alte Herzog und der junge Herzog steigen aus. Der Diener verbeugt sich tief.
Nur der fette Kutscher sitzt unbeweglich. Er starrt auf die weisse sonnige Allee mit ihren Herbstblättern – – –. Er ist im Amte.
Die hellen Birken zittern. In den Lüften schreien die Krähen "kraa – – kraa!"
Die Georginen stehen da in allen Farben, die hellen glänzen wie Butter, die dunklen sind matt wie Sammt.
Hochadel und Villenbesitzer! Ihr sitzt noch in den Gärten in der Herbstsonne und fahrt auf den Landstrassen in den Equipagen – – –! Ihr dürft noch die goldenen Lichter der letzten Herbsttage trinken, Ihr, die Georginen und die Krähen – – – kraa!

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Herbstbacchanal

von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Die stolze Fülle verstümmelt, gebrochen.
Die reiche Erde verknöchert, bestaubt.
Fäule kommt auf trägem Leib gekrochen
Und reckt voll Gier das graue Moderhaupt.
Doch trotzig sträuben sich die zähen Pulse,
Die Todesangst fliegt auf, taumelt, rafft
Aus dem zermorschten Siechen
Die letzte, ringende Kraft.

Zitternde Bläße schminkt sich
Mit stierem grinsenden Blut,
Mühsames Leben lodert
Leere, erheuchelte Glut.
Flammenjauchzen durchgellt
In grassem Echo die Welt,
Betäubende Feuer schäumen,
Farben tollen, bäumen
Schrille, kreischende Funken,
Lachen rast, wahnsinntrunken.

Doch unter all dem blinden Tosen,
Durch den verzweifelten Sturm,
Pocht an die flackernden Rosen –
Der Totenwurm.

Donnerstag, 8. November 2007

Novembertag

von Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Geberde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund
träumen Mensch und Erde.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Herbstmorgen

von Theodor Fontane (1819 – 1898)

Die Wolken ziehn, wie Trauergäste,
Den Mond still – abwärts zu geleiten;
Der Wind durchfegt die starren Äste,
Und sucht ein Blatt aus beßren Zeiten.

Schon flattern in der Luft die Raben,
Des Winters unheilvolle Boten;
Bald wird er tief in Schnee begraben
Die Erde, seinen großen Toten.

Ein Bach läuft hastig mir zur Seite,
Es bangt ihn vor des Eises Ketten;
Drum stürzt er fort und sucht das Weite,
Als könnt' ihm Flucht das Leben retten.

Da mocht' ich länger nicht inmitten
So todesnaher Öde weilen;
Es trieb mich fort, mit hast'gen Schritten
Dem flücht'gen Bache nachzueilen.

Im Herbst

von Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Die ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewußt bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Spätherbst

von Theodor Fontane (1819 – 1898)

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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