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Montag, 12. Mai 2008

An meine Freundin

von Anna Louisa Karsch (1722 – 1791)

1775.

Deine Seele giebt mir immer
Neues Feuer, machet mich
Immer neu verliebt in dich,
Wie der helle Sternenschimmer
In der schönen Winternacht;
Wie der Frühling mich gerührter
Durch die schöne Rose macht;
Wie der grüne Baum gezierter
Durch die Frucht mir mehr gefällt:
So gefällst du mir vor allen,
Und wirst noch in jener Welt
Bei den Engeln mir gefallen.

Am Pfingstmontag

von Max von Schenkendorf (1783 – 1817)

Der auf Taubenflügeln schwebend,
Als die Welt ihr Sein empfing,
Allbefruchtend, allbelebend
Ueber den Gewässern hing –

Liebend sinkst du jetzt hernieder
Auf die bräutlich schöne Flur;
Deinem Hauche schlagen wieder
Alle Pulse der Natur.

Wogend durch der Schöpfung Räume,
Warm durchdringend Stein und Erz,
Weckend alle Lebenskeime
Senkst du dich ins Menschenherz.

Walle, walle, Geist der Liebe,
Unaufhaltsam, froh und frei,
Daß ein jeder unsrer Triebe,
Strahlend, wie sein Urquell, sei.

Herzlich willkommen!


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