Samstag, 13. August 2011

Druckerschwärze

Die Druckerschwärze ist noch nie zu der Verwendung gelangt, für die sie erschaffen ist. Sie gehört nicht ins Hirn, sondern in den Hals jener, die sie falsch verwenden.Karl Kraus (1874 – 1936)

Freitag, 15. Juli 2011

Berlin – Wien

In Berlin gehen so viele Leute, daß man keinen trifft. In Wien trifft man so viele Leute, daß keiner geht.Karl Kraus (1874 – 1936)

Freitag, 8. Juli 2011

Wenn sie so klug wären . . .

Wenn sie so klug wären, wie sie sich schlau vorkommen, wären sie immer noch dumm genug.Ignaz Wrobel [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Montag, 13. Juni 2011

Wer keine Kritik verträgt . . .

"Wer keine Kritik verträgt und dem Spiegel nicht dankbar ist, der alle Flecken und Falten wiedergibt, – der soll sich nur gleich begraben lassen!"
"Professor Tondern" in: Lily Braun (1865 – 1916): Memoiren einer Sozialistin. Lehrjahre. München: Albert Langen 1909.

Sonntag, 12. Juni 2011

Ach was . . .

"Die Frau ist eine armselige Nehmerin", sagte der Philister und dachte dabei an ihre Seele.
"Die Frau ist eine reiche Geberin", sagte der Künstler und dachte dabei an ihre Form.
Peter Altenberg (1859 – 1919)

Samstag, 11. Juni 2011

Regeln der Interpunktion

Noch ist jener vornehme Bergbeamte unvergessen, der die Regeln der Interpunktion in den Satz zusammenfaßte: dem Bergmeister mache ich in jedem amtlichen Schreiben zwei Kommata, dem Bergamte eins, den Steigern aber gar keins.Aus: Christoph Ferdinand Heinrich Pröhle (1822 – 1895): Harzsagen. Leipzig 1859.

Samstag, 21. Mai 2011

So geht's natürlich auch . . .

Ich befasse mich nicht mit Rechtschreibung und Interpunktion.Michel de Montaigne (1533 – 1592)

Freitag, 13. Mai 2011

Inflationäre Verwendung von Ausrufezeichen

Ob das Elend in Deutschland zugenommen hat, weiß ich nicht. Die Interjektionszeichen haben gewiß zugenommen. Wo man sonst bloß ! setzte, da steht jetzt !!!Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Donnerstag, 21. April 2011

Abergläubisches zum Gründonnerstag

1340. Wenn am Gründonnerstag gewaschen wird, ziehen im Sommer alle Gewitter von der Gegend weg.1341. Am grünen Donnerstag muß nicht gebacken werden, damit die Leute des Hauses im Sommer keine Last haben mit dem schimmlichten Brot.1342. Ein am grünen Donnerstage gelegtes Ei trägt man auf den Boden, um das Haus gegen den Blitz zu sichern.Aus: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg. Gebräuche und Aberglauben, gesammelt von Karl Bartsch (1832 – 1888)

Aber es geht noch besser:

"822. Gründonnerstagsei.

Wenn man ein Hühnerei, welches am Gründonnerstag gelegt ist, in Wolle einpackt und dasselbe Sonntags mit in die Kirche nimmt, da kann man, wenn man bei den Ersten mit in der Kirche ist, sehen, wie die Hexen in die Kirche kommen. Da kömmt eine auf einem Besen, die andere auf einer Gabel, die dritte auf einem Scheit Holz, die vierte auf einem Butterstößer u.s.f. in die Kirche geflogen. Das sehen aber alle die andern Leute nicht. Nun machen sich aber die Hexen immer auf die Frau zu, welche das Ei bei sich hat, rücken immer dichter und dichter an sie heran und suchen sie so zu drücken, bis das Ei entzwei geht. Die Frau, die dasselbe aber bei sich trägt, muß es deshalb in der Hand in der Tasche fest halten, denn wenn das Ei entzwei geht, da bricht der Frau auch das Herz auseinander."

Aus: Johann Georg Theodor Grässe (1814 – 1885): Sagenbuch des Preußischen Staats.

Montag, 18. April 2011

Was der Fall ist . . .

A: Sie sind sehr alt geworden.
B: Ja, das ist gewöhnlich der Fall, wenn man lange lebt.
Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Sonntag, 17. April 2011

"Wunderland Deutsch"


Eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache findet sich HIER . . .

Freitag, 15. April 2011

Liebesgedicht

von Peter Altenberg (1859 – 1919)

Ich sah dich den Amseln zärtlich Futter streuen –
Ich sah dich deinen alten Vater sanft betreuen –
Ich sah dich in einem Buche heilige Stellen anstreichen,
Ich sah dich in Gesellschaft unadeliger Menschen erbleichen.
Ich sah dich deine idealen Füße ungeniert nackt zeigen,
Ich sah dich wie eine Fürstin dich edel-stolz verneigen.
Ich sah dich mit deinem geliebten Papagei wie mit einem Freunde sprechen,
Ich sah dich mit einem Manne wegen eines geringen Taktfehlers für ewig brechen – – –.
Ich sah dich an Himbeerduft dich berauschen,
Ich sah dich der Stille eines Sommerabends lauschen.
Ich sah dich an dem Alltag wachsen, lernen,
Ich sah dich traurig steh'n vor trüben Gaslaternen.
Ich sah dich dein Leben spinnen wie die Spinne ihr mysteriöses Gewebe – – –
Ich schlich mich abseits, um dich nicht zu stören.
Ich werde dich aber lieben, solang ich lebe!

Sonntag, 10. April 2011

Was machte Goethe am 10. April?


"Palermo, Dienstag, den 10. April 1787.

Heute fuhren wir bergauf nach Monreale. Ein herrlicher Weg, welchen der Abt jenes Klosters zur Zeit eines überschwenglichen Reichtums angelegt hat; breit, bequemen Anstiegs, Bäume hie und da, besonders aber weitläufige Spring- und Röhrenbrunnen, beinah pallagonisch verschnörkelt und verziert, desungeachtet aber Tiere und Menschen erquickend.
Das Kloster San Martin, auf der Höhe liegend, ist eine respektable Anlage. Ein Hagestolz allein, wie man am Prinzen Pallagonia sieht, hat selten etwas Vernünftiges hervorgebracht, mehrere zusammen hingegen die allergrößten Werke, wie Kirchen und Klöster zeigen. Doch wirkten die geistlichen Gesellschaften wohl nur deswegen so viel, weil sie noch mehr als irgendein Familienvater einer unbegrenzten Nachkommenschaft gewiß waren.
Die Mönche ließen uns ihre Sammlungen sehen. Von Altertümern und natürlichen Sachen verwahren sie manches Schöne. Besonders fiel uns auf eine Medaille mit dem Bilde einer jungen Göttin, das Entzücken erregen mußte. Gern hätten uns die guten Männer einen Abdruck mitgegeben, es war aber nichts bei Handen, was zu irgend einer Art von Form tauglich gewesen wäre.
Nachdem sie uns alles vorgezeigt, nicht ohne traurige Vergleichung der vorigen und gegenwärtigen Zustände, brachten sie uns in einen angenehmen kleinen Saal, von dessen Balkon man eine liebliche Aussicht genoß; hier war für uns beide gedeckt, und es fehlte nicht an einem sehr guten Mittagessen. Nach dem aufgetragenen Dessert trat der Abt herein, begleitet von seinen ältesten Mönchen, setzte sich zu uns und blieb wohl eine halbe Stunde, in welcher Zeit wir manche Frage zu beantworten hatten. Wir schieden aufs freundlichste. Die jüngern begleiteten uns nochmals in die Zimmer der Sammlung und zuletzt nach dem Wagen.
Wir fuhren mit ganz andern Gesinnungen nach Hause als gestern. Heute hatten wir eine große Anstalt zu bedauern, die eben zu der Zeit versinkt, indessen an der andern Seite ein abgeschmacktes Unternehmen mit frischem Wachstum hervorsteigt.
Der Weg nach San Martin geht das ältere Kalkgebirg' hinauf. Man zertrümmert die Felsen und brennt Kalk daraus, der sehr weiß wird. Zum Brennen brauchen sie eine starke, lange Grasart, in Bündeln getrocknet. Hier entsteht nun die Calcara. Bis an die steilsten Höhen liegt roter Ton angeschwemmt, der hier die Dammerde vorstellt, je höher, je röter, wenig durch Vegetation geschwärzt. Ich sah in der Entfernung eine Grube fast wie Zinnober.
Das Kloster steht mitten im Kalkgebirg', das sehr quellenreich ist. Die Gebirge umher sind wohlbebaut."

Aus: Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832): Italienische Reise. Stuttgart: Cotta 1829.

Donnerstag, 31. März 2011

Sich in einen Ochsen verwandeln . . .

Und gesetzt ein junger Mann, der einen Trieb in sich verspürt, ein Originalkopf zu werden, schreibt uns eine Romanze oder eine Ballade oder so etwas, wobei jedem vernünftigen Mann die Augen aus Mitleid über das unglückliche Genie übergehen, hat man deswegen gleich Ursache, ein langes und breites davon zu machen und sich anzustoßen, zuzuwispern und zuzugicklen und laut heimlichzutun, als wenn der Papst mit Zwillingen niedergekommen wäre? Wenn jemand schlecht schreibt, gut, so laßt ihn schreiben. Sich in einem Ochsen verwandeln ist noch lange kein Selbstmord.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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