von Christian Morgenstern (1871 – 1914)
Im Hochwald sonngesegnet
hat's lange nicht geregnet.
Doch schaffen sich die Bäume
dort ihre Regenträume.
Die Espen und die Erlen –
sie prickeln und sie perlen.
Das ist ein Sprühn und Klopfen
als wie von tausend Tropfen.
Die Lärchen und die Birken –
sie fühlen flugs es wirken.
Die Fichten und die Föhren –
sie lassen sich betören!
Der Wind weht kühl und leise.
Die Sterne stehn im Kreise.
Die Espen und die Erlen:
sie schaudern tausend Perlen . . .
Clarisse1 - 14. Aug, 11:53
Kinder, ihr müßt euch mehr zutrauen!
Ihr laßt euch von Erwachsenen belügen
Und schlagen. – Denkt mal: fünf Kinder genügen,
Um eine Großmama zu verhauen.
Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)
Clarisse1 - 19. Jul, 15:12
Ein Kritiker ist ein Leser, der wiederkäut. Er sollte also mehr als einen Magen haben.Friedrich von Schlegel (1772 – 1829)
Clarisse1 - 15. Jul, 09:46
Knie dem Philister auf der Seele und du drückst doch keinen Geist heraus.Wilhelm Raabe (1831 – 1910)
Clarisse1 - 14. Jul, 13:27
Zur Freundschaft gehört: daß wir einander gleichen, einander in einigem übertreffen, einander in einigem nicht erreichen.Jean Paul (1763 – 1825)
Clarisse1 - 13. Jul, 16:26
Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt, –
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!
Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.
Christian Morgenstern (1871 – 1914)
Clarisse1 - 9. Jul, 12:07
Zwischen Können und Tun liegt ein Meer und auf seinem Grunde gar oft die gescheiterte Willenskraft.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)
Clarisse1 - 8. Jul, 12:48
von Kurt Tucholsky (1890 – 1935)
Warum lächelt die Mona Lisa
Weil sie
Hitkinsons Verdauungspastillen
eingenommen hat
und so
von ihrer lästigen Verstopfung
für immer befreit ist!
Wollen Sie
auch lächeln?
Dann …
Amerikanisches Inserat
Clarisse1 - 7. Jul, 17:03
Der Verstand, der uns nicht hindert, hie und da eine großherzige Dummheit zu begehen, ist ein braver Verstand.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)
Clarisse1 - 7. Jul, 16:02
Clarisse1 - 1. Jul, 16:09
Manchmal ist Schweigen auch: Zeitmangel, Ignoranz, Überbürdung, Mangel an den letzten, entscheidenden zehn Karat Interesse . . . Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Clarisse1 - 30. Jun, 11:42
von Theobald Tiger [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Morgens, vom letzten Schlaf ein Stück,
nimm mich ein bißchen mit –
auf deinem Traumboot zu gleiten ist Glück –
Die Zeituhr geht ihren harten Schritt . . .
pick-pack . . .
"Sie schläft mit ihm" ist ein gutes Wort.
Im Schlaf fließt das Dunkle zusammen.
Zwei sind keins. Es knistern die kleinen Flammen,
aber dein Atem fächelt sie fort.
Ich bin aus der Welt. Ich will nie wieder in sie zurück –
jetzt, wo du nicht bist, bist du ganz mein.
Morgens, im letzten Schlummer ein Stück,
kann ich dein Gefährte sein.
Clarisse1 - 29. Jun, 18:26
In der Kunst gibt es nur ein Kriterium: die Gänsehaut. Man hat es, oder man hat es nicht.Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Clarisse1 - 23. Jun, 16:43
von Kaspar Hauser [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
[...] Verschüttet ist es bei dir.
Du wolltest leben
und kamst nicht dazu.
Du willst leben
und vergißt es vor lauter Geschäftigkeit.
Du willst das spüren, was in dir ist,
und hast eifrig zu tun mit dem, was um dich ist –
Verschüttet ist dein Lebensgefühl.
Wenn du tot bist, wird es dir sehr leid tun.
Noch ist es Zeit –!
Clarisse1 - 19. Jun, 12:11
Der soziologische Horizont der meisten Menschen ist klein wie der Boden einer Konservenbüchse. Sie wähnen sich im Himmel.Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Clarisse1 - 18. Jun, 17:17