Freitag, 24. Dezember 2010

Weihnachten

von Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Nikolaus der Gute
kommt mit einer Rute,
greift in seinen vollen Sack –
dir ein Päckchen – mir ein Pack.
Ruth Maria kriegt ein Buch
und ein Baumwolltaschentuch,
Noske einen Ehrensäbel
und ein Buch vom alten Bebel,
sozusagen zur Erheiterung,
zur Gelehrsamkeitserweiterung . . .
Marloh kriegt ein Kaiserbild
und nen blanken Ehrenschild.
Oberst Reinhard kriegt zum Hohn
die gesetzliche Pension . . .
Tante Lo, die, wie ihr wißt,
immer, immer müde ist,
kriegt von mir ein dickes Kissen. –
Und auch hinter die Kulissen
kommt der gute Weihnachtsmann:
Nimmt sich mancher Leute an,
schenkt da einen ganzen Sack
guten alten Kunstgeschmack.
Schenkt der Orska alle Rollen
Wedekinder, kesse Bollen –
(Hosenrollen mag sie nicht:
dabei sieht man nur Gesicht . . . ).
Der kriegt eine Bauerntruhe,
Fräulein Hippel neue Schuhe,
jener hält die liebste Hand –
Und das Land? Und das Land?
Bitt ich dich, so sehr ich kann:
Schenk ihm Ruhe –
lieber Weihnachtsmann!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Gross-Stadt – Weihnachten

von Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glasé.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn,

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"

Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein,
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden . . .
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."

Samstag, 18. Dezember 2010

Liebe vs. Eifersucht

Die Liebe verläßt uns zu früh, die Eifersucht zu spät.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Dienstag, 14. Dezember 2010

Erdrückender Fortschritt

Der Fortschritt erdrückt uns mit Bedürfnissen; er macht die Bequemlichkeit von gestern zur Unbequemlichkeit von heute, und so genießen wir ein immer sorgenvolleres Glück.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Montag, 13. Dezember 2010

Wahrlich . . .

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Muss man?

Man muß alle Schriftsteller zweimal lesen, die guten und die schlechten. Die einen wird man erkennen, die andern entlarven.Karl Kraus (1874 – 1936)

Samstag, 11. Dezember 2010

Es ist unglaublich . . .

Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheiten zu beweisen.Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

Freitag, 10. Dezember 2010

Das deutscheste Wort?

Das Wort Wenn ist das deutscheste aller deutschen Worte.Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Genieschwemme

Es gibt heutzutage so viele Genies, daß man recht froh sein soll, wenn einem einmal der Himmel ein Kind beschert, das keines ist.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Theorie und Praxis

Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Selbstbetrug

Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Dienstag, 7. Dezember 2010

Welcher wohl?

Ich warf allerlei Gedanken im Kopf herum, bis endlich folgender obenhin zu liegen kam.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Montag, 6. Dezember 2010

Man ist allein . . .

Man ist allein mit allem, was man liebt.Novalis (1772 – 1801)

Sonntag, 5. Dezember 2010

Es gibt Schriftsteller . . .

Es gibt Schriftsteller, die Unbedingtes trinken wie Wasser; und Bücher, wo selbst die Hunde sich aufs Unendliche beziehen.Friedrich Schlegel (1772 – 1829)

Samstag, 4. Dezember 2010

Lug und Trug . . .

Der Schnee ist eine erlogene Reinlichkeit.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Donnerstag, 25. November 2010

Soeben erschienen:


Lebenslust-mit-KT


Lebenslust mit Kurt Tucholsky. Ausgewählt von Christine M. Kaiser. Berlin: Insel Verlag 2010. it 3628. 119 Seiten.

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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