von Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Nikolaus der Gute
kommt mit einer Rute,
greift in seinen vollen Sack –
dir ein Päckchen – mir ein Pack.
Ruth Maria kriegt ein Buch
und ein Baumwolltaschentuch,
Noske einen Ehrensäbel
und ein Buch vom alten Bebel,
sozusagen zur Erheiterung,
zur Gelehrsamkeitserweiterung . . .
Marloh kriegt ein Kaiserbild
und nen blanken Ehrenschild.
Oberst Reinhard kriegt zum Hohn
die gesetzliche Pension . . .
Tante Lo, die, wie ihr wißt,
immer, immer müde ist,
kriegt von mir ein dickes Kissen. –
Und auch hinter die Kulissen
kommt der gute Weihnachtsmann:
Nimmt sich mancher Leute an,
schenkt da einen ganzen Sack
guten alten Kunstgeschmack.
Schenkt der Orska alle Rollen
Wedekinder, kesse Bollen –
(Hosenrollen mag sie nicht:
dabei sieht man nur Gesicht . . . ).
Der kriegt eine Bauerntruhe,
Fräulein Hippel neue Schuhe,
jener hält die liebste Hand –
Und das Land? Und das Land?
Bitt ich dich, so sehr ich kann:
Schenk ihm Ruhe –
lieber Weihnachtsmann!
Clarisse1 - 24. Dez, 12:07
von Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]
Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.
Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glasé.
Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn,
Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"
Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein,
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.
So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden . . .
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
Clarisse1 - 22. Dez, 10:43
Die Liebe verläßt uns zu früh, die Eifersucht zu spät.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 18. Dez, 17:45
Der Fortschritt erdrückt uns mit Bedürfnissen; er macht die Bequemlichkeit von gestern zur Unbequemlichkeit von heute, und so genießen wir ein immer sorgenvolleres Glück.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 14. Dez, 11:27
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Clarisse1 - 13. Dez, 16:57
Man muß alle Schriftsteller zweimal lesen, die guten und die schlechten. Die einen wird man erkennen, die andern entlarven.Karl Kraus (1874 – 1936)
Clarisse1 - 13. Dez, 13:50
Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheiten zu beweisen.Friedrich Hebbel (1813 – 1863)
Clarisse1 - 11. Dez, 14:59
Das Wort Wenn ist das deutscheste aller deutschen Worte.Friedrich Hebbel (1813 – 1863)
Clarisse1 - 10. Dez, 10:42
Es gibt heutzutage so viele Genies, daß man recht froh sein soll, wenn einem einmal der Himmel ein Kind beschert, das keines ist.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)
Clarisse1 - 9. Dez, 09:47
Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Clarisse1 - 8. Dez, 18:07
Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Clarisse1 - 8. Dez, 18:05
Ich warf allerlei Gedanken im Kopf herum, bis endlich folgender obenhin zu liegen kam.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)
Clarisse1 - 7. Dez, 15:42
Man ist allein mit allem, was man liebt.Novalis (1772 – 1801)
Clarisse1 - 6. Dez, 09:40
Es gibt Schriftsteller, die Unbedingtes trinken wie Wasser; und Bücher, wo selbst die Hunde sich aufs Unendliche beziehen.Friedrich Schlegel (1772 – 1829)
Clarisse1 - 5. Dez, 12:13
Der Schnee ist eine erlogene Reinlichkeit.Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Clarisse1 - 4. Dez, 14:40
Lebenslust mit Kurt Tucholsky. Ausgewählt von Christine M. Kaiser. Berlin: Insel Verlag 2010. it 3628. 119 Seiten.
Clarisse1 - 25. Nov, 02:07