Dienstag, 23. Dezember 2008

Allen Veränderungen . . .

Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas Melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück. Wir müssen ein Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können.Anatole France (1844 – 1924)

Ich kann freilich . . .

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Samstag, 20. Dezember 2008

Ist doch ganz einfach . . .

Ich teile alle Bücher in zwei Sorten ein: solche, die mir gefallen, und solche, die mir nicht gefallen. Ein anderes Kriterium habe ich nicht. Anton Čechov (1860 – 1904)

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Ein Buch ist ein Spiegel . . .

Ein Buch ist ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinblickt.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Lebensaufgabe

Jeder von uns hat etwas Unbehauenes, Unerlöstes in sich, daran unaufhörlich zu arbeiten seine heimlichste Lebensaufgabe bleibt.Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Sonntag, 14. Dezember 2008

Letzte Blüten

Paul Heyse (1830 – 1914)

Noch eine Ros' am kahlen Strauch
Fand im Advent ich aufgeblüht,
Noch eines Liedes zarter Hauch
Klang mir verstohlen im Gemüt.

Der Rose Blätter taumeln hin,
Da ich sie kaum berührt, ins Beet,
Das Liedchen schwand mir aus dem Sinn –
Für Sommerkinder ist's zu spät!

Freitag, 12. Dezember 2008

!

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.Immanuel Kant (1724 – 1804)

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Modernes Liebesgedicht

von Peter Altenberg (1859 – 1919)

Ich liebe Dich, Paulina,
weil Du bei Nacht bei weitgeöffneten Fenstern
schläfst und die Luft Deines frischen Gartens einatmest –
ich liebe Dich, weil Du Halbschuhe trägst zu jeder Jahreszeit, bei Regen und bei Schnee!
Ich liebe Dich, weil Du "Zugluft" verträgst, ja, eben nur darin gedeihst!
Ich liebe Dich, weil dein Apfelblütenteint nur behandelt wird mit lauem Wasser und billiger milder Mandelseife, das Stück zu 50 Heller!
Ich liebe Dich, weil in einem einfachen schmalen Holz-Kästchen über deinem Bette sämtliche Werke von Knut Hamsun gereiht stehen, in blauem Lederband!
Ich liebe Dich, weil Du mich verstehst, und Dich selbst, und alle Bäume, alle Blumen verstehst,
und Franz Schubert verstehst, Hugo Wolf, Johannes Brahms, und alle schönen Katzen, Pferde, Vögel, Fische, und auch die heilige Bürde der Einsamkeit verstehst, noch zu dem allem dazu!

Die Sonne meiner Kindheit . . .

von Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]. Aus: Kritik aus der Erinnerung. In: Die Weltbühne, 24.12.1929, Nr. 52, S. 945.

Bei Tante Friedeberg in Stettin stand auf dem Schreibtisch die Sonne meiner Kindheit: eine kleine Glaskugel mit einem Weihnachtsmann drin. Wenn man die Kugel auf den Kopf stellte, so daß ihre Marmorplatte, auf der sie saß, zu oberst kam, dann fing es an, in der Kugel zu schneien. Es war eine einzige Herrlichkeit. Stellte man die Kugel wieder auf den Tisch, so fuhr es fort, zu Schneegestöbern. Langsam, ganz langsam setzten sich die Schneeflocken dem Weihnachtsmann auf die Mütze, auf seinen Ruprechtssack und auf den Boden der Kugel . . . sachte, sachte. Erst wenn sie sich alle gesetzt hatten, sah man wieder klar. Erbarmungslos klar: der Weihnachtsmann war eine kleine Murks-Puppe, und die Schneeflocken Schnipselchen aus irgendeiner Masse. Abwarten ist immer gut. [. . .]

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Und für Hänschen ein Buch . . . aber welches?

von Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]: Vossische Zeitung, 06.12.1927

Wenn mein Papa mit dem Rufe „Julklapp!“ ein Weihnachtsgeschenk nach dem anderen durch die Tür feuerte (was ein alter Brauch in Pommern und in Mecklenburg ist, wenn ich nicht irre) – dann war bestimmt ein richtiges, dickes Jungenbuch dabei. So eines, das vor Neuheit klebte, wenn man vorsichtig die bunten Drucke mit den edlen Indianern und den kolorierten Generalen von den Textseiten zu lösen versuchte . . . Das hieß „Die Skalp-Jäger“ oder „Der gute Kamerad“ – nun. Sie kennen das.
Ich denke, daß die Jungen, die heute zehn und fünfzehn Jahre alt sind, älter sind, als wir es damals waren; diese Generation hat zuviel gesehen, um unberührt zu sein, sie weiß von zu vielen Sorgen und von sehr viel Technik. Was mag wohl solchen Jungen Spaß machen, wenn sie lesen wollen?
Da wäre ein gutes Jugendbuch zu empfehlen, und wenn ich dabei mitgetan habe und nun auch noch öffentlich davon spreche, so geschieht das, weil ich diese Art von Tendenzlosigkeit durchaus bejahe: es geht ein anständiger Ton durch das Buch, dessen Herausgeber dem jungen Menschen nicht huldvoll auf die Schultern klopfen, sondern die auf saubere Art unterhalten wollen. Mir scheint, daß ihnen das gelungen ist. Das Buch heißt „Jugend und Welt“ und ist im Verlage von Williams &. Co. zu Berlin-Grunewald erschienen. Wäre ich noch ein Junge: ich würde längelang auf der Erde damit liegen.
Wenn man will, ist der Band so eine Art Kindermagazin: voll von Fotos, bunten Bildern, Maschinen, spannenden Geschichten und einer Menge Kleinkram, der der Jugend, solange es eine gibt, immer Spaß gemacht hat. Filmtricks und Abenteuer, Erzählungen aus allen Weltteilen, Preisaufgaben und Späße und auch Beiträge von Elf- und Zwölfjährigen . . .
In Klammem für die Erwachsenen: wieviel Arbeit hinter solch einem Werk steckt, ahnt kaum einer, und man soll es auch gewiß nicht merken. Nichts nämlich ist in Deutschland schwerer zu haben als das ganz Einfache, das, was jedes Kind verstehen kann – das Voraussetzungslose. Es sind ein paar, auch für den Erwachsenen, und gerade für ihn, sehr interessante Stücke in dem Band: so erzählt Brecht die Erlebnisse des Boxers Samson-Körner wieder (mit dem ungemein bezeichnenden Satz: „Es ist das Wichtigste im Leben, daß man in Betracht kommt!“) – und der Ton, in dem er eine an sich kleine Geschichte erzählt, ist gut getroffen. Es ist seiner.
Was in dem Band an Belehrendem steckt, ist so geschickt verarbeitet, daß sich niemand belehrt fühlt; denn prompt überschlägt jeder richtige Junge und jedes frische Mädchen „pädagogisch“ aufgetakelte Kapitel. Hier gibt es nichts zu überschlagen – so, wie man die guten, alten Kinderbücher in jeder Spanne seines Lebens lesen kann, so scheint es mir ein gutes Zeichen zu sein, wenn auch unsereiner so ein Jugendbuch mit dem größten Interesse liest. "Wir hatten mal einen Lehrer", von dem Zeichner Fritz Wolff entzückend erzählt und bebildert, ist eine kleine Kostbarkeit, die auch heute noch gilt, wenngleich sich in der Schule seitdem so vieles zum Besseren gewendet hat. Es sind sehr witzige Denksportaufgaben in dem Buch, und eine Darstellung wie "Die Zeitung" von Wolf Zucker ist beste, allerbeste Erziehungsarbeit für keine Partei – es sei denn für die der anständigen Menschen.
Der Bilderteil ist gut und läßt den Betrachter nicht locker, am besten die Fotografien; für die Bilder ist zu sagen, daß man für Kinder gar nicht naturalistisch genug "durchzeichnen" kann, wie es etwa die englische Illustrationstechnik der Magazine tut. Ein Kind will genau sehen und mit dem Finger darüber hinfahren: da muß ein Fisch ein Fisch sein und ein Kuli ein Kuli. Übrigens ist auch vom Verfasser des bekannten „Dr. Doolittle“ etwas zu lesen, und sogar etwas sehr Hübsches.
Kurz: Es geht also. Es muß nicht immer für die Jugend mit Pauken und Trompeten die imperialistische Trommel gerührt werden, und wenn es so etwas wie ein demokratisches Jugendbuch im besten Sinne geben kann: hier ist eines.

Montag, 8. Dezember 2008

Zum Advent . . .

Wie wundervoll es ist, nichts zu tun und sich anschließend zu schonen.Spanisches Sprichwort

Samstag, 6. Dezember 2008

Weihnachten

Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Nikolaus der Gute
kommt mit einer Rute,
greift in seinen vollen Sack –
dir ein Päckchen – mir ein Pack.
Ruth Maria kriegt ein Buch
und ein Baumwolltaschentuch,
Noske einen Ehrensäbel
und ein Buch vom alten Bebel,
sozusagen zur Erheiterung,
zur Gelehrsamkeitserweiterung . . .
Marloh kriegt ein Kaiserbild
und nen blanken Ehrenschild.
Oberst Reinhard kriegt zum Hohn
die gesetzliche Pension . . .
Tante Lo, die, wie ihr wißt,
immer, immer müde ist,
kriegt von mir ein dickes Kissen. –
Und auch hinter die Kulissen
kommt der gute Weihnachtsmann:
Nimmt sich mancher Leute an,
schenkt da einen ganzen Sack
guten alten Kunstgeschmack.
Schenkt der Orska alle Rollen
Wedekinder, kesse Bollen –
(Hosenrollen mag sie nicht:
dabei sieht man nur Gesicht . . . ).
Der kriegt eine Bauerntruhe,
Fräulein Hippel neue Schuhe,
jener hält die liebste Hand –
Und das Land? Und das Land?
Bitt ich dich, so sehr ich kann:
Schenk ihm Ruhe –
lieber Weihnachtsmann!

Freitag, 5. Dezember 2008

Lebendiger Inhalt

Die alten Bücher sind selten, die zwischen Unverständlichem und Selbstverständlichem einen lebendigen Inhalt bewahrt haben.Karl Kraus (1874 – 1936)

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Vertagen wir die Krise . . .

Manchmal haben wir in Deutschland eine sogenannte 'politische Krise'. Wenn sie vor Weihnachten ausbricht, wird sie bis nach Weihnachten vertagt. Kein Mensch merkt in der Zwischenzeit, daß es eine Krise gibt. Man denke sich einen Fieberkranken, der zu seinem Arzt sagt: "Wissen Sie was, Doktor, morgen habe ich Geburtstag. Vertagen wir die Krise bis zur nächsten Woche!"Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Mittwoch, 26. November 2008

Menagerie von Stimmen

Wenn ich einschlafen will, muß ich immer erst eine ganze Menagerie von Stimmen zum Kuschen bringen. Man glaubt gar nicht, was für einen Lärm die in meinem Zimmer machen.Karl Kraus (1874 – 1936)

Donnerstag, 20. November 2008

Verloren

von Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Wenn man etwas verloren hat, ist man sehr traurig. Der Wert der Sache macht es nicht – da ist noch etwas anders.
Spieler fühlen den Gewinn als eine sichtbare Erhöhung ihrer Persönlichkeit, der zu gewinnen wohlansteht, ein Kerl, der so gebaut ist, muß eben gewinnen, das gehört zu seinen immanenten Eigenschaften. Verlust ist, bei auch nur sanfter Anlage zum Verfolgungssinn, Strafe der Götter und fühlbare Hand des Schicksals. Man hat das nicht gern. Auch hat Verlust noch eine andere bitter schmeckende Eigenschaft. Er macht lieben, was verloren ist.
Nie ist ein Gegenstand so leibhaftig da wie der, der nicht mehr da ist. Jetzt erst wird er ganz lebendig, schätzenswert, fast unersetzbar – so einen bekommst du nie mehr wieder. Aber es gibt doch noch andere Schirme, Kanarienvögel, Zerstäuber . . . Ja, aber so einen nicht.
Denn mit dem Verlorenen ist ein Stück Leben mitgegangen, es hat so vieles mitgemacht, an ihm hängen Energien, Blicke, Rufe, Lachen. Das hat es alles aufgesogen. Worauf die Sehnsuchtsmaschine einsetzt: Gestern . . . gestern um diese Zeit war er noch da. Da lag er, da hat er gestanden, ich legte meine Hand auf ihn . . . heute ist er fort. Wo ist er jetzt? Wo mag er jetzt sein? Wer hat ihn? Warum habe ich ihn nicht mehr? Komm zurück. So habe ich dich nie geliebt.
Verlust macht ärmer. Und wenn mir einer dreizehn neue Hüte kauft: Verlust macht ärmer. Wir selbst wollen die abgelegten und zu Ende gelebten Sachen wegtun – sie sollen uns nicht fortlaufen. Es ist Verrat an der Freundschaft. Wer je ein altes Kinderbuch von sich wiedergefunden hat, weiß, was ich meine: das Buch ist nur die dingliche Erscheinung, die Unterlage von scheinbar abstrakten Niederschlägen: jeder Käsefleck ist eine Lebensetappe.
Stunden oder Tage lang wird die verlorene Sache zur fixen, zur festen Idee. Das ganze Lebensgefühl dreht sich ihr zu, wendet sich empfindlich vom hellen Tage ab, zieht das Gefühl ein und liebt. Dann kommt der Krach mit Tante Anna nun endgültig zum Ausbruch, auch muß die Hypothekenkündigung eingetragen werden, und fragt dich einer nach dem kleinen Taschenmesserchen mit der matten Schale, dann sagst du – und mußt erst etwas nachdenken, bevor du antwortest: "Das? – Ach ja, das habe ich verloren." Es heißt, daß man mit Menschen ähnlich umgehe.

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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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"Wer ein Buch zusammenstellt mit hilfreicher Weisheit, erdacht von anderen Köpfen, leistet der Menschheit einen größeren Dienst als der Verfasser eines Epos' der Verzweiflung." – Ella Wheeler Wilcox (1850 – 1919)

2017 in 4. Auflage erschienen:


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2010 erschienen:


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2018 in 3. Auflage erschienen:


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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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