von Arno Holz (1863 – 1929)
Drei Dinge haben hier im Leben Macht:
Der Neid, die Hoffahrt und die Niedertracht;
Doch, wenn sie dich auch noch so schön bespucken,
Am Ende wirst du sie zu Boden ducken!
Verloren aber bist du auf der Welt,
Wenn sich die Dummheit dir entgegenstellt:
Sie setzt Spinoza hinter Löbel Pintus
Und hat die Weisheit aller Zeiten intus!
Sie lacht wie ein Kretin dir ins Gesicht
Und lästert alles, nur sich selber nicht;
Und nichts bleibt übrig dir vor diesem Viehchen
Als sacht dich in dich selber zu verkriechen!
Clarisse1 - 6. Feb, 12:33
von Arno Holz (1863 – 1929)
Die Philologen, die sich stritten,
Rechneten Wort für Wort zurück
Und sahn: der Schatz des grossen Britten,
Umfasste fünfzehntausend Stück!
Doch heut im neunzehnten Jahrhundert
Die Dinger wie der Wind verwehn:
Ein Droschkenkutscher braucht fünfhundert,
Ein lyrischer Dichter nur circa zehn!
Clarisse1 - 6. Feb, 11:04
von Peter Altenberg (1859 – 1919)
Kein Mensch kann seinen Nächsten verstehen, er ist nämlich tatsächlich der Entfernteste. Nur deswegen sind alle Menschen enttäuscht und fassungslos. Sie meinen, der Andere müsse es genau so spüren wie sie. Das eben tut er leider nicht, sondern meistens umgekehrt. Ein Beispiel für viele, für alle bereits eigentlich: neben mir im Gasthause fünf liebe hübsche plaudernde Mädchen am Nebentische. Die Eine sagt: "Gott, dieser grüne Gorgonzola mit diesen grünen Kräuter-Streifen, zerfließend, scharf, aromatisch wie Wiesenduft im Munde, davon allein könnte ich mich ja ernähren!" Da sagte eine Andere: "Bitte, ich habe noch nicht gegessen, wenn Du so etwas Ekelhaftes sagst, muß ich hinaus, und kann nichts mehr bei mir behalten!"
Sehen Sie, Dies ist ein Bild des ganzen Lebens! Dich macht etwas selig, und der Andere muß hinaus! Überall ist "grüner Gorgonzola" mit Kräuter-Streifen, der dem Einen ein Leckerbissen, dem Anderen ein Brechmittel ist! Sie werden mir sagen: "Das sind alte Weisheiten, mein Lieber!" Ja, sie sind alt und Weisheiten, ganz richtig!
Clarisse1 - 5. Feb, 08:54
Neun Zehntel unserer ganzen Literatur hat keinen andern Zweck, als dem Publikum einige Taler aus der Tasche zu spielen: Dazu haben sich Autor, Verleger und Rezensent fest verschworen.Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)
Clarisse1 - 4. Feb, 10:06
Wenn ich ein Brechmittel brauche, hole ich es lieber aus der Apotheke als aus der Buchhandlung.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)
Clarisse1 - 3. Feb, 10:30
Ein anregendes Buch – eine den Appetit reizende Speise.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)
Clarisse1 - 2. Feb, 10:42
Clarisse1 - 31. Jan, 17:46
Die Kunst ist dem Philister der Aufputz für des Tages Müh' und Plage. Er schnappt nach den Ornamenten, wie der Hund nach der Wurst.Karl Kraus (1874 – 1936)
Clarisse1 - 31. Jan, 10:52
Viele erinnern nur noch durch ihren Haß, daß sie einer Religion angehören.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 30. Jan, 11:51
von August von Platen (1796 – 1835)
Laß tief in dir mich lesen,
Verhehl auch dies mir nicht,
Was für ein Zauberwesen
Aus deiner Stimme spricht?
So viele Worte dringen
Ans Ohr uns ohne Plan,
Und während sie verklingen,
Ist alles abgetan.
Doch drängt auch nur von ferne
Dein Ton zu mir sich her,
Behorch ich ihn so gerne,
Vergeß ich ihn so schwer!
Ich bebe dann, entglimme
Von allzurascher Glut:
Mein Herz und deine Stimme
Verstehn sich gar zu gut!
Clarisse1 - 28. Jan, 10:25
Glaube dem Leben, es lehrt besser als Redner und Buch.Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832)Lesen Sie, um zu leben.Gustave Flaubert (1821 – 1880)Bücher sind in ihrer Art in Ordnung, aber sie sind ein verdammt blutarmer Lebensersatz.Robert Louis Stevenson (1850 – 1894)
Clarisse1 - 26. Jan, 10:36
von Max Dauthendey (1867 – 1918)
Es geht ein Licht vom Himmel wie Rosenmilch. Geht durch die leeren Bäume über den Schnee, über das Schilfdach einer Hütte, über einen kauernden blauen Mann und eine gelbe ziehende Herde.
Der Schnee in blauen Scherben auf dem Hüttendach, um die Hütte in gelben Meerschaumwellen. Vergißmeinnichtblüten und Rosa in den Schneegruben. Der Schnee knistert fiebernd wie Seide. Seiden die Luft, goldweiß und goldrosig gestrählt.
Opalfarben schweben über den Schnee, kaum hörbar, zart wie der Atem der Perlen.
Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß aus weißem Kern. Steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold, und blüht entfaltet wie eine Blume.
Es wird lebendig der Schnee. In blauglimmenden Schatten steigen Flammen und aus Kristallbrüchen Gase, blaue und rosige weiten die Luft. Mit ihnen summende violette Dämpfe, rauschen unter der Hütte, saugen sich im Baumgeäst hoch. Die kahlen Bäume stehen in der Luft, wie die rosigen Adern auf durchsichtigen Blütenblättern.
Es geht aus allem eine nadeldünne Kühle, eine streichelnde Weichheit, wie die Schiller auf kühlen Muschelschalen und Perlmutter.
Der blaue Mann steht gebeugt im Licht. An ihm vorbei zieht die Schafherde aus der Hütte und breitet sich über den Schnee.
Es geht warmer Lichtfriede über den kalten Schnee. Auf Engelfittichen eine kinderlallende Andacht. Im schmeichelnden Gießen von Düften das Entfalten einer Taube auf rosigem Silbergrund. Das wispernde Beten ganz kleiner runder Engel mit Veilchenaugen und Blütenstaub im Haar und Daunenflügel am Nacken. Und Musik von elfenbeinernen Harfen.
Clarisse1 - 25. Jan, 14:03
Wann wirst du wiederkommen, wohlthätiger Winter, die Wasser befestigen, daß wir unseren Schlittschuhtanz wieder anfangen!Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832)
Clarisse1 - 24. Jan, 11:46
von Peter Altenberg (1859 – 1919)
"Oh mein Freund, was für eine Frau wünschtest Du Dir denn eigentlich?!?"
"Eine, die meine Höhen 'mit Enthusiasmus' und meine Abgründe 'ohne Schaudern' miterlebte!"
Clarisse1 - 21. Jan, 15:18
" [. . .] Sehen wir doch einmal zu, wer unter den Vertretern der älteren Generation neben den Modeärzten heute die Psychoanalyse betreibt. Die erstaunliche Antwort ist: fast nur Kurpfuscher der sogen. gebildeten Kreise; verunglückte Schriftsteller, schöpfungslose Dichter, Morphinisten, um die Ecke gegangene Mediziner – lauter Menschen, die keiner von uns ohne starke Bedenken an seinem Schreibtisch etwa allein lassen möchte. Alle diese psycho-analytischen Quacksalber wälzen wie im Fieber unablässig den Jargon der Schule mit vollen Backen im Munde. Aber faßt man sie ins Auge, so findet man stets, daß der Bruch in ihrem Berufsleben kein zufälliger ist, sondern daß ihre neue Wissenschaft nur ein Vorwand zur Loslösung von älteren Verpflichtungen ist; und daß sie selbst merkwürdig feige, unsichere und verantwortungslose Typen sind, die sich ans Deuten heranmachen, weil sie nie ans Handeln gehen werden, und die stets mehrere Wege offenhalten, weil sie sich selbst nicht entscheiden wollen."
Aus: Ludwig Rubiner (1881–1920): Zur Krise des geistigen Lebens. – In: Zeitschrift für Individualpsychologie (München), 1. Jg. 1916.
Clarisse1 - 19. Jan, 14:46
Auf ein lesenswertes Buch kommt eine Myriade beschmutztes Papier.Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)
Clarisse1 - 14. Jan, 11:18