Mittwoch, 15. April 2009

Freude des Geizes

Ich halte, daß der Geiz ein' solche Freude bringt,
Als wann der Durstige viel Salz mit Wasser trinkt.
Georg Philipp Harsdörffer (1607 – 1658)

Dienstag, 14. April 2009

Die Freuden

von Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832)

Es flattert um die Quelle
Die wechselnde Libelle,
Mich freut sie lange schon;
Bald dunkel und bald helle,
Wie der Chamäleon,
Bald rot, bald blau,
Bald blau, bald grün;
O daß ich in der Nähe
Doch ihre Farben sähe!

Sie schwirrt und schwebet, rastet nie!
Doch still, sie setzt sich an die Weiden.
Da hab ich sie! Da hab ich sie!
Und nun betracht ich sie genau
Und seh ein traurig dunkles Blau –

So geht es dir, Zergliedrer deiner Freuden!

Sonntag, 12. April 2009

Ostern

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Wenn die Schokolade keimt,
Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
"Glockenklingen" sich auf "Lenzesschwingen"
Endlich reimt
Und der Osterhase hinten auch schon preßt,
Dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – –
Dann mit jenen Dichterlingen
Und mit deren jugendlichen Bräuten
Draußen schwelgen mit berauschten Händen – – –
Ach, das denk ich mir entsetzlich,
Außerdem – unter Umständen –
Ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme
Durch geheime Gänge und Gedärme
In die Zukunft zieht
Und wie dankbar wir für solchen Segen
Sein müssen.

Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
Die so langgezogene Kugeln legen.

Osterhas

von Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Busch-Osterhase

Es ist das Osterfest alljährlich
Doch für den Hasen recht beschwerlich.


Der Beweis dafür:

Fröhliche Ostern
von Theobald Tiger [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Da seht aufs neue dieses alte Wunder:
Der Osterhase kakelt wie ein Huhn
und fabriziert dort unter dem Holunder
ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.

Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder –
er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei . . .
Ja, was errötet denn die Gattin wieder?

Ei, ei, ei

ei, ei

ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware
ins pappne Ei zum besseren Konsum:
Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,
die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.

Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,
sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.
Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben:

Ei, ei, ei

ei, ei

ei!
Und Hans und Lene Steckens in die Jacke,
das liebe Osterei – wen freut es nicht?
Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,
und ohne jedes innre Gleichgewicht.

Die deutsche Politik . . . Was wollt ich sagen?
Bei uns zu Lande ist das einerlei –
und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!
Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

Sonntag, 5. April 2009

Bescheidenheit

DIE weisen Leute, welche die Bescheidenheit, die nur eine stille, angenehme Begleiterin der Tugend sein sollte, zur Tugend selbst gemacht haben, wußten oder dachten nicht, welchen Dienst sie den Schurken in der Welt geleistet haben. Diese mögen sie recht gern so sehen; und wenn sie die Begleiterin so laut präkonisieren, so geschieht es darum, daß sich die Hauptperson selbst in die Begleiterin verkriechen soll. Es ist ihnen so ziemlich gelungen; denn die Tugend, die eigentlich kräftig tätig sein sollte, geht nun so still, zahm und fromm einher, als fürchte sie, mit jedem Laute ihren neuen aufgedrungenen Ehrennamen zu gefährden, als sei ihr Tun und Wirken selbst Ruhmrednerei. So herrscht eine Stille in der moralischen Welt, die beinahe verabredet zu sein scheint. Der Schurke schweigt, er weiß, warum; der Rechtschaffene, Biedere schweigt auch, weil er muß, weil man ihm Schweigen zur Tugend und Reden zur Prahlerei gemacht hat. Muß er nicht selbst seine Blicke nach dem Tone der Gesellschaft abmessen, wenn er darin gelitten sein will? Friedrich Maximilian Klinger (1752 – 1831)

Freitag, 3. April 2009

Hüte dich . . .

Hüte dich vor den Bescheidenen; du ahnst nicht, mit welch gerührtem Stolz sie ihre Schwächen hegen.Arthur Schnitzler (1862 – 1931)

Donnerstag, 2. April 2009

Unhöflichkeit

Unhöflichkeit ist häufig das Merkmal einer ungeschickten Bescheidenheit, welche bei einer Überraschung den Kopf verliert und durch Grobheit dies verbergen möchte.Friedrich Nietzsche (1844 – 1900)

In memoriam . . .

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens.Friedrich Nietzsche (1844 – 1900)

Dienstag, 31. März 2009

sic!

Man braucht noch mehr Mut als Geist, um richtig zu denken.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Samstag, 28. März 2009

Eierschalensollbruchstellenverursacher


. . . wenn das kein schönes Wort ist!

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Donnerstag, 26. März 2009

Schriftstellerschwemme

Es sind zuverlässig in Deutschland mehr Schriftsteller als alle vier Weltteile überhaupt zu ihrer Wohlfahrt nötig haben.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Dienstag, 24. März 2009

Essen ohne dich

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Ich habe mich hungrig gefühlt,
Doch fast nichts gegessen.
War alles lecker, das Bier so schön gekühlt –
Aber: Du hast nicht neben mir
Gegessen.

Verzeihe: Ich stellte mir vor,
Daß das ewig so bliebe,
Wenn du vor mir –
Ach was geht über Liebe?!!

Muß ich nun doch
Ein paar Tage noch
Fressen, ohne Lust; o das haß ich. –
Aber wenn du von der Reise
Heimkehrst, weiß ich, daß ich
Wieder richtig speise.

Mittwoch, 18. März 2009

Ideal und Wirklichkeit

von Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange das,
was du willst – und nachher kriegst dus nie . . .
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C'est la vie –!

Sie muß sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, groß und blond.
Ein Pfund zu wenig – und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt . . .
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih –!

Man möchte eine helle Pfeife kaufen
und kauft die dunkle – andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah . . . beinah . . .
Wir dachten unter kaiserlichem Zwange
an eine Republik . . . und nun ists die!
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih –!

Freitag, 13. März 2009

Avant-propos

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Ich kann mein Buch doch nennen, wie ich will
Und orthographisch nach Belieben schreiben!
Wer mich nicht lesen mag, der laß es bleiben.
Ich darf den Sau, das Klops, das Krokodil
Und jeden andern Gegenstand bedichten,
Darf ich doch ungestört daheim
Auch mein Bedürfnis, wie mir's paßt, verrichten.
Was könnte mich zu Geist und reinem Reim,
Was zu Geschmack und zu Humor verpflichten? –
Bescheidenheit? – captatio – oho!
Und wer mich haßt, – – sie mögen mich nur hassen!
Ich darf mich gründlich an den Hintern fassen
Sowie an den avant-propos.

Donnerstag, 12. März 2009

Was erlaubt ist . . .

Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur die langweilige nicht.Voltaire (1694 – 1778)

Samstag, 7. März 2009

Größenwahn

Man könnte größenwahnsinnig werden: so wenig wird man anerkannt!Karl Kraus (1874 – 1936)

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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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