Dienstag, 12. Januar 2010

Ein Buch . . .

Ein Buch, das nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden, ist auch nicht wert, daß man es einmal liest.Karl Julius Weber (1767 – 1832)

Sonntag, 3. Januar 2010

Winterimpressionen I


Schnee

Samstag, 2. Januar 2010

Weiser Vorsatz

von Luise Büchner (1821 – 1877)

Ich will nicht dein gedenken,
Sollst nicht mehr bei mir sein
In allem meinem Denken,
In meinem ganzen Sein.

Die Rose wird gepflücket
Vom Sturm, an einem Tag,
Den Felsen selbst zerstücket
Ein einz'ger Donnerschlag.

So will ich's auch erringen,
Dem Alles ist geweiht –
Schnell soll dies Herz erzwingen
Sich die Vergeßlichkeit!

Nicht, wie ja Alles müde
Zu Grabe endlich schwankt,
Nein, wie die Ros' verblühte,
Und wie der Felsen wankt.

So flieh mit einem Schlage
Du Leid, so herb gesinnt,
Dich tödt' an einem Tage,
Vernunft, der rauhe Wind!

Umsonst, umsonst ihr Mühen,
Es trotzt ihr jede Stund –
Nie wird des Herzens Glühen
Besiegt vom weisen Mund!

Freitag, 1. Januar 2010

Mein Neujahrswunsch

von Karl Henckell (1864 – 1929)

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Daß ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

Simples Neujahrslied

von Ludwig Eichrodt (1827 – 1892)

Vorüber ist das alte Jahr,
Ich wünsche Glück zum neun!
Was euch das alte noch nicht war,
Soll euch das neue sein.

Ich greife zu dem vollen Glas,
Und trink es aus und sag,
Ich wünsche Jedem Alles was
Er selbst sich wünschen mag.

Ich wünsch euch Alles, was auch euch
Befriediget und reizt,
Und daß mit euern Wünschen sich
Der meinen keiner kreuzt!

So treten wir ins neue Jahr
Getrosten Muthes ein –
Und was im alten noch nicht war,
Erfülle sich im neun!

Zu Neujahr

von Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, warum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Silvester

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,

Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.

Mit Cumberland, und vis-à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.

Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Das freieste Geschlecht


"[. . .] aber wir Katzen sind noch immer das freieste Geschlecht, weil wir uns bei all unsrer Geschicklichkeit so ungeschickt anzustellen wissen, daß der Mensch ganz aufgibt, uns zu erziehen."

"Hinze der Kater" in: Ludwig Tieck (1773 – 1853): Der gestiefelte Kater. In: Volksmärchen, hrsg. von Peter Leberecht [i.e. Ludwig Tieck]. Berlin 1797.

Fontanes Geburtstag vor 190 Jahren


"Am 27. März 1819 waren meine Eltern in Ruppin eingetroffen, am 30. Dezember selbigen Jahres wurde ich daselbst geboren. Es war für meine Mutter auf Leben und Sterben, weshalb sie, wenn man ihr vorwarf, sie bevorzuge mich, einfach antwortete: 'Er ist mir auch am schwersten geworden.' In dieser bevorzugten Stellung blieb ich lange, bis nach achtzehn Jahren ein Spätling, meine jüngste Schwester, geboren wurde, bei der ich Pate war und sie sogar über die Taufe hielt. Das war eine große Ehre für mich, ging aber mit meiner Dethronisierung durch ebendiese Schwester Hand in Hand. Als jüngstes Kind rückte sie selbstverständlich sehr bald in die Lieblingsstellung ein."

Aus: Theodor Fontane (1819 – 1898): Meine Kinderjahre. Berlin 1894.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Stoßseufzer . . . vom 27. Dezember 1831

Ein Frauenzimmer frägt mehr, als hundert Männer beantworten können.Ludwig Börne (1786 – 1837)

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Einsiedlers Heiliger Abend

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Ich hab' in den Weihnachtstagen –
Ich weiß auch, warum –
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abends noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsensuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat's an die Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: "Herein!"

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Schriftstellerei

Die Schriftstellerei ist, je nachdem man sie treibt, eine Infamie, eine Ausschweifung, eine Tagelöhnerei, ein Handwerk, eine Kunst, eine Tugend.Friedrich von Schlegel (1772 – 1829)

Sonntag, 6. Dezember 2009

Zitternde Ochsen . . .

Als Pythagoras seinen bekannten Lehrsatz entdeckte, brachte er den Göttern eine Hekatombe dar. Seitdem zittern die Ochsen, sooft eine neue Wahrheit an das Licht kommt.Ludwig Börne (1786 – 1837)

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Dezembersonne


"[. . .] die Dezembersonne, die am Mittag so tief hereinhängt als die Juniussonne abends, breitet, wie angezündeter Spiritus, einen gelben Totenschein über die welken, bleichen Auen aus, und überall schlafen und ziehen, wie an einem Abende der Natur und des Jahrs, lange riesenhafte Schatten, gleichsam als nachgebliebene Trümmer und Aschenhaufen der ebenso langen Nächte."

Aus: Jean Paul: Blumen-, Frucht- und Dornenstücke. Berlin 1796/97.

"[. . .] und wie bleicher Messingglanz hat die Dezembersonne über die Heide hingeglinstert."

Aus: Theodor Storm: Zur Chronik von Grieshuus. Braunschweig 1884.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Letzte Blüten

von Paul Heyse (1830 – 1914)

Noch eine Ros' am kahlen Strauch
Fand im Advent ich aufgeblüht,
Noch eines Liedes zarter Hauch
Klang mir verstohlen im Gemüt.

Der Rose Blätter taumeln hin,
Da ich sie kaum berührt, ins Beet,
Das Liedchen schwand mir aus dem Sinn –
Für Sommerkinder ist's zu spät!

Donnerstag, 26. November 2009

Nach berühmten Mustern


In diesem Jahr erschienen – soeben auf NZZ Online angezeigt:

Parodien

Fritz Mauthner: Nach berühmten Mustern. Parodistische Studien – Gesamtausgabe. Hrsg. von Almut Vierhufe. Mit einem Nachwort und Anmerkungen von Almut Vierhufe. Hannover: Wehrhahn Verlag 2009.
[Bibliothek des 19. Jahrhunderts, Bd. 7]

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Donnerstag, 19. November 2009

Aus aktuellem Anlass . . .


Von meinen Tausend Reim-Sprüchen
von Friedrich von Logau (1605 – 1655)

Bißher gab mein Papier wol tausenderley Sachen,
Die dem, der drüber kümmt, bald bringen Ernst, bald Lachen;
Doch bitt ich den, der kümmt, daß Ernst und Lachen nicht
Sey allemal mit Ernst und Lachen bald gericht.

Es leben die Philister . . .

Es leben die Philister, ihre Gevattern und ihre Geschwister! Denn wenn die Philister nicht mehr leben, so wird es auch keine Poeten mehr geben.August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)

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Sinniges


"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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