Samstag, 17. April 2010

Phantasie

Die Phantasie ist der mächtigste Despot.Berthold Auerbach (1812 – 1882)

Samstag, 3. April 2010

. . . und Eitelkeit

Der Mensch besteht aus Knochen, Fleisch, Blut, Speichel, Zellen und Eitelkeit.Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Bibliotheken

Er hatte seine Bibliothek verwachsen, so wie man eine Weste verwächst. Bibliotheken können überhaupt der Seele zu enge und zu weit werden.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Freitag, 2. April 2010

Karfreitag


LIX. Von dem Passion zu predigen.

Von Schimpff das 459.

In dem Passion sprach der Priester: Es ist nit also.

Es was ein Priester, der het den Passion gepredigt an dem Karfreitag, das vil Lüt weinten. Der nerrisch Priester wolt sie trösten und sprach: 'Nit weinen, lieben Kind! Es ist jetz wol 15 hundert Jar, das es geschehen sol sein; es mag wol erlogen sein; es ist gar fer von Jerusalem biß her. Man lügt doch von einem Hauß in das ander, wie dan erst so fer! Es möcht auch nur Red sein.'

Aus: Johannes Pauli (Mitte 15. Jh. – nach 1520): Schimpf und Ernst: Straßburg: Johannes Grieninger 1522.

Donnerstag, 1. April 2010

Gleichgültigkeit

Die Gleichgültigkeit so vieler Menschen beruht auf ihrem Mangel an Phantasie.Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Liebe und Zeit

Man denkt oft, die Liebe sei stärker als die Zeit. Aber immer ist die Zeit stärker als die Liebe.Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Mittwoch, 31. März 2010

. . .

Er ist ein seelischer Voyeur.Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Missingsch

Missingsch ist das, was herauskommt, wenn ein Plattdeutscher hochdeutsch sprechen will. Er krabbelt auf der glatt gebohnerten Treppe der deutschen Grammatik empor und rutscht alle Nase lang wieder in sein geliebtes Platt zurück.Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Samstag, 27. März 2010

Die Mausefalle

von Christian Morgenstern (1871 – 1914)

1.

Palmström hat nicht Speck im Haus
dahingegen eine Maus.

Korf, bewegt von seinem Jammer,
baut ihm eine Gitterkammer.

Und mit einer Geige fein
setzt er seinen Freund hinein.

Nacht ist's und die Sterne funkeln.
Palmström musiziert im Dunkeln.

Und derweil er konzertiert,
kommt die Maus hereinspaziert.

Hinter ihr, geheimer Weise,
fällt die Pforte leicht und leise.

Vor ihr sinkt in Schlaf alsbald
Palmströms schweigende Gestalt.

2.

Morgens kommt v. Korf und lädt
das so nützliche Gerät

in den nächsten, sozusagen,
mittelgroßen Möbelwagen,

den ein starkes Roß beschwingt
nach der fernen Waldung bringt,

wo in tiefer Einsamkeit
er das seltne Paar befreit.

Erst spaziert die Maus heraus,
und dann Palmström, nach der Maus.

Froh genießt das Tier der neuen
Heimat, ohne sich zu scheuen.

Während Palmström, glückverklärt,
mit v. Korf nach Hause fährt.

Samstag, 20. März 2010

Was sagte wohl . . .

Was sagte wohl ein Wirtschaftsführer, wenn wir ihm seinen Betrieb so schilderten, wie er ihn zwei Jahre später im Prozeß schildern wird? Wenn wir also sagten: "Du weißt gar nicht, was hier vorgeht, oder du willst es nicht wissen; um dich herum wird betrogen; du bist geistig nicht auf der Höhe, fast in der Nähe des Paragraphen einundfünfzig; um dich herum wird bestochen!" Das alles darf aber erst ausgesprochen werden, wenn der Kerl tausend Unschuldige in seine Pleite hineingezogen hat.Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Montag, 1. März 2010

Aus aktuellem Anlass . . .


"Über uns in den Kronen der Bäume brauste der Frühlingssturm. Nach seiner Melodie wiegten sich schlanke Birken, und krachend splitterten von Eichen und Linden die dürren Äste."

Aus: Lily Braun (1865 – 1916): Memoiren einer Sozialistin. Kampfjahre. München: Albert Langen 1911.

Freitag, 26. Februar 2010

Frühlingsahnung

von Wilhelm Müller (1794 – 1827)

Die Schwalbe kömmt, die Schwalbe kömmt, sie kömmt vom weißen Meer,
Sie fliegt heran, sie sieht sich um, als ob's nicht sicher wär'.
O März, o März, mein schöner Freund, ich fühl's, du bist mir nah!
O Februar, o Februar, wie lange bleibst du da?
Magst regnen, reifen, schneien auch, ich spreche doch dir Hohn:
Du riechst in deinen Schauern mir nach meinem Frühling schon.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Verwandtschaft

Die Verwandtschaft ist eine Plage, die der liebe Gott sonst ganz gesunden Menschen auferlegt hat, damit sie nicht zu übermütig werden!
Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Freitag, 5. Februar 2010

Februarsonne


"Das Wetter hatte sich in der Tat sehr günstig angelassen. Die schönste Februarsonne strahlte vom blauen Himmel nieder und schuf einen wahren Frühlingstag, wenn auch die Landschaft noch ihre ganze winterliche Kahlheit aufwies."

Aus: Ferdinand von Saar (1833 – 1906): Ginevra. Heidelberg 1893.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Februar

von Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Schon leuchtet die Sonne wieder am Himmel
und schmilzt die Schneelast von den Dächern
und taut das Eis auf an den Fenstern
und lacht ins Zimmer: wie geht's? wie steht's?

Und wenn es auch noch lang nicht Frühling,
so laut es überall tropft und rinnt ...
du sinnst hinaus über deine Dächer ...
du sagst, es sei ein schreckliches Wetter,
man werde ganz krank! und bist im stillen
glückselig drüber wie ein Kind.

Dienstag, 2. Februar 2010

Aus aktuellem Anlass . . .


Wollte dieser Schneesturm nimmer zu einem Ende kommen? Mächtiger und mächtiger sauste und brauste es und schüttete die weißen Lasten auf Forst und Dorf. Es knackte und knirschte das Gezweig, es krachten die Stämme [. . .].

Aus: Wilhelm Raabe (1831 – 1910): Else von der Tanne. In: Freya 5 (1865) 1.

Sonntag, 31. Januar 2010

Melancholie

von Peter Altenberg (1859 – 1919)

Mein Bruder sagt: "Melancholie ist Desorganisation. Deine Lebensmaschinerie (diesen Ausdruck hat er von mir, macht nichts, wenn er nur treffend ist, und das ist er, weiß Gott) zeigt dir ängstlich-besorgt an, daß irgend etwas irgendwo aus irgendwelcher unbekannten Ursache nicht ganz in Ordnung ist!"
Es kann doch aber Verzweiflung über irgend etwas ganz Positives sein, nicht!? Das ist ja eben schon eine Hinderung der Funktionen der Lebensmaschine, eine Anbahnung zum Beispiel künftiger Zuckerkrankheit oder anderer Stoffwechsellähmungen. Es gibt aber trotzdem dennoch auch grundlose Melancholien, physiologische Nirwanagefühle, "wozu bin ich eigentlich in dieser unvollkommenen vorläufig tragischen Welt"?! Diese Melancholien sind die historischen in deinem raschen Tagesleben, sie kommen von der Eltern oder Großeltern Ungnade her, sind dir mitgegeben scheinbar also grundlos! Das meiste Unrechte, Blödsinnige, Viertel- oder Halbirrsinnige aber, das man gegen seine Lebensmaschinerie unternimmt, hat den Grund, latente unbekannte Melancholien zu betäuben, zu bannen, auszuschalten, die meisten hoffen leider blödsinnig, sie dadurch zu heilen! Eine ewige Sehnsucht nach Vollkommenheiten ist latent in uns, und der Schmerz, sie nie zu erreichen, läßt uns die schauerlichsten kindischesten Blödsinne begehen, statt die Sehnsucht als Menschentum-Förderndes gelassen-ergeben tragisch auswirken zu lassen!

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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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"Wer ein Buch zusammenstellt mit hilfreicher Weisheit, erdacht von anderen Köpfen, leistet der Menschheit einen größeren Dienst als der Verfasser eines Epos' der Verzweiflung." – Ella Wheeler Wilcox (1850 – 1919)

2017 in 4. Auflage erschienen:


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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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