Mittwoch, 23. Juni 2010

Die Gänsehaut

In der Kunst gibt es nur ein Kriterium: die Gänsehaut. Man hat es, oder man hat es nicht.Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Samstag, 19. Juni 2010

Dein Lebensgefühl

von Kaspar Hauser [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

[...] Verschüttet ist es bei dir.
Du wolltest leben
und kamst nicht dazu.
Du willst leben
und vergißt es vor lauter Geschäftigkeit.
Du willst das spüren, was in dir ist,
und hast eifrig zu tun mit dem, was um dich ist –
Verschüttet ist dein Lebensgefühl.

Wenn du tot bist, wird es dir sehr leid tun.
Noch ist es Zeit –!

Freitag, 18. Juni 2010

"Ein Horizont wie ein Schnapsglas"

Der soziologische Horizont der meisten Menschen ist klein wie der Boden einer Konservenbüchse. Sie wähnen sich im Himmel.Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Samstag, 12. Juni 2010

Aus aktuellem Anlass . . .

O Feigheit, die sich für Größe hält!Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

Sonntag, 6. Juni 2010

Aus aktuellem Anlass . . .

Politik ist zum Gezänk geworden. Opposition zum einflußlosen Krakeelertum.Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Samstag, 5. Juni 2010

. . .

Er hat alle Frauen bekommen, die er begehrt hat – und er hat aus Vorsicht nur die begehrt, die er bekommen konnte.Ignaz Wrobel [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Donnerstag, 3. Juni 2010

Wie wahr . . .

Nur kleine Flaschen haben einen Tropfenzähler – sprudelndes Quellwasser wird im allgemeinen nicht rationiert.Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Dienstag, 25. Mai 2010

Aus!

von Theobald Tiger [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Einmal müssen zwei auseinandergehn;
einmal will einer den andern nicht mehr verstehn – –
einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –
wer ist daran schuld?

Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.
Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.
Jedes trägt den andern mit sich herum –
etwas bleibt immer zurück.

Einmal hat es euch zusammengespült,
ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt –
Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab –:
ein neuer Mensch.

Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu.
Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.
Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß,
vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß
in ein fernes Land.

Dienstag, 18. Mai 2010

. . .

Je engstirniger, je kleiner, je schmalhorizontiger der Standpunkt eines Menschen – um so unnachgiebiger wird er vertreten.Ignaz Wrobel [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Sonntag, 16. Mai 2010

Aus aktuellem Anlass . . .

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. 'Stützungsaktion', bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, daß die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.Kaspar Hauser [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Freitag, 14. Mai 2010

. . . törichte Geldpolitik . . .

Der unbeirrbare Stumpfsinn, mit dem diese Kapitalisten ihre törichte Geldpolitik fortsetzen, immer weiter, immer weiter, bis zur Ausblutung ihrer Werke und ihrer Kunden, ist bewundernswert. Alles, was sie seit etwa zwanzig Jahren treiben, ist von zwei fixen und absurden Ideen beherrscht: Druck auf die Arbeiter und Export.Ignaz Wrobel [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Montag, 10. Mai 2010

"Haus Europa"


1926
Es ist nicht wahr, daß man sich nicht in die Innenpolitik fremder Staaten mischen dürfe – eine Innenpolitik ohne Rückwirkung nach außen gibt es heute nicht mehr, wenn es sie je gegeben hat. So, wie kein Mieter das Recht hat, in seiner Wohnung Feuer anzuzünden, mit der Berufung auf die Heiligkeit des Heims, sowenig dürften Staaten ohne Gefährdung des Friedens Innenpolitik auf eigene Faust machen, soweit diese den Frieden in Frage stellt. Wir wohnen nicht mehr in einzelnen Festungen des Mittelalters, wir wohnen in einem Haus. Und dieses Haus heißt Europa.
1932
Darf man sich in die Verhältnisse eines anderen Landes einmischen?
Man darf nicht nur – man muß es manchmal tun.
Man muß es allemal dann tun, wenn es gilt, fremde Bundesgenossen zu unterstützen. Dazu gehören Takt, Verständnis, Ruhe und viel Wissen – aber es gibt keine inneren Verhältnisse, die den Nachbarn nichts angingen. Europa ist ein großes Haus. Seit wann darf eine Mietspartei im zweiten Stock ein Feuer anzünden und dann abwehrend rufen: "Mischt euch nicht in meine Verhältnisse! Das ist meine Wohnung!"? Jede Mietswohnung ist der Bestandteil eines Hauses – jedes europäische Land ist ein Bestandteil Europas. Wer sich abschließt, ist ein Dummkopf und ein Friedensstörer.
Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

Dienstag, 4. Mai 2010

Ideal des Pedanten

Der trockne Pedant hat gewöhnlich ein Ideal: den falschen Abenteurer.Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Mittwoch, 21. April 2010

Vorrat an Phantasie

Wir bewahren ein bißchen viel auf, mitunter. Da spart sich so einer seinen kleinen Vorrat an Phantasie, Liebe, Lebensfreude sorgsam auf, für bessere Zeiten, nach dem schönen, alten Spruch: "Wenn ich mal erst . . . " Aber es kann immerhin geschehen, daß der ganze Vorrat hin ist, wenn der Besitzer an ihn herangeht, verschimmelt die Phantasie, abgestanden die
Liebe, verflogen die Lebensfreude. "An kühlem Ort aufzubewahren." Und hat doch nichts geholfen.
Peter Panter [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Der deutsche Primus

Die Tugend des deutschen Primus ist ein Laster, sein Fleiß eine unangenehme Angewohnheit, seine Artigkeit Mangel an Phantasie.Ignatz Wrobel [i.e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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