Dem Buch, dem es auf seinem Bücherbord plötzlich schlecht wird und das herunterfällt.Jules Renard (1864 – 1910)
Clarisse1 - 4. Jun, 17:13
von Christian Morgenstern (1871 – 1914)
So mag sich wieder blinde Nacht
zum reinsten Morgen klären,
sich Lebensglück aus Lebensmacht
in neuem Glanz gebären.
Der Nebel flieht, als ob er Ried
und Wald auf ewig flöhe,
und meine Seele ist das Lied
der Lerchen in der Höhe.
Clarisse1 - 4. Mai, 10:20
Aus sittlichen Rücksichten fürchtet man den Besitzlosen noch andre Wohltaten zu verleihen, als die der Arbeit; die Reichen sind um die Moral der Armen sehr besorgt.Welcher Arbeit unterzieht sich der Mensch, um sich ein wenig Müßiggang zu verschaffen!Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 1. Mai, 10:25
Der Mensch braucht immer ein unerreichbares Ziel, eine vergebliche Hoffnung, eine ihn vorwärtstreibende Unzufriedenheit.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 30. Apr, 15:13
(Nur mit Ei und Eier aufzulösen.)
Der FrackverlOher HOnrich OstermOO kehrte am ersten OsterfOOtage sehr betrunken hOm. SOne Frau, One wohlbelObte, klOne Dame, betrieb in der KlOststraße Onen OOhandel. Sie empfing HOnrich mit den Worten: "O O, mOn Lieber!" DabO drohte sie ihm lächelnd mit dem Finger. Herr OstermOO sagte: "Ich schwöre Onen hOligen Od, daß ich nur ganz lOcht angehOtert bin. Ich war bO Oner WOhnachtsfOO des VerOns FrOgOstiger FrackverlOher. Dort hat Ones der Mitglieder anläßlich der Konfirmation sOner Tochter One Maibowle spendiert, und da habe ich denn sehr viel RhOnwOn auf das Wohl des verehrten JubelgrOses trinken müssen, wOl man ja nicht alle Tage zwOund-neunzig Jahre alt wird." Frau OstermOO schenkte diesen Beteuerungen kOnen Glauben, sondern sagte nochmals: "O O, mOn Lieber!" Worauf ihr PapagO die ersten zwO Worte "O O" wohl drOßigmal laut wiederholte. Über das GeschrO des PapagOs geriet HOnrich in solche Wut, daß er On BOl ergriff und sämtliche OOOO zerschlug. Frau OstermOO wurde krOdeblOch und lief, triefend von Ogelb zur PolizO. Ihr Mann aber ließ sich erschöpft auf Onen Stuhl nieder und wOnte lOse vor sich hin. Bis ihm der PapagO von oben herab On OsterO in den Schoß warf. Da war alles vorbO.
Aus: Joachim Ringelnatz: Kinder-Verwirr-Buch mit vielen Bilder. Berlin: Rowohlt 1931, S. 10–11
Clarisse1 - 29. Mär, 16:45
Ich habe immer nur gewollt.Joseph II. (1741 – 1790)
Clarisse1 - 6. Mär, 22:50
Die Großen affektieren ein Mißbehagen gegen die lästige Neugier der Menge, deren Abwesenheit sie empören würde.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 9. Feb, 10:56
Man kann Alles, was man will, so bald man's ernstlich will!Christoph Martin Wieland (1733 – 1813)
Ich kann, weil ich will, was ich muß.Immanuel Kant (1724 – 1804)
Wer nicht kann, was er will, muß wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht.Leonardo da Vinci (1452 – 1519)
Clarisse1 - 27. Jan, 13:56
von Grete Gulbransson (1882–1934)
Das Telephon läutet, und es ist Else Lasker-Schüler, die ihren Besuch für den Nachmittag bei mir ansagt.
Ich kenn‘ sie nicht, ich weiß nur soviel, daß sie eine deutsche Dichterin ist.
Doch da ich die üble Eigenschaft habe, fast nie etwas zu lesen, so hab‘ ich auch von ihr nur zufällig einmal irgendein Gedicht irgendwie zu Gesicht bekommen, dessen Inhalt mir obendrein entfallen ist.
Das hindert aber nicht, daß ich mich nun unbedingt geschmeichelt fühle und angenehm berührt durch die Tatsache: hier besucht eine deutsche Dichterin die andere und will ihr die Schwesterhand reichen. Wie mag sie aussehn, diese Schwester in Apoll? Ich stell‘ sie mir unwillkürlich groß und blond und stattlich vor, in einer grünseidenen Bluse.
Das Feuer in dem Kamin brennt, davor steht das alte Kanapee und der Stuhl mit den geschnitzten Schlangenlehnen am kleinen Teetisch; von der Decke an der langen Messingkette aber hängt das dicke, rote Rubinglasherz mit der länglichen, stillen Flamme drin. Da sitz‘ ich erwartungsvoll aufgeregt, im weißen, weichwallenden Crepe de Chine-Kleid, eingehüllt in einen weißen Schleier.
Die Türe öffnet sich, und herein tritt ein kleiner, brauner Kerl, so etwa wie ein Abruzzenräuber aussieht.
Draußen gießt es, und er hat, scheint’s, keinen Schirm gehabt, denn das Wasser rinnt in Strömen von seinem verwegenen Hut, seine kurzen, schwarzen Haarzotteln kleben ihm an den gelblichen Wangen, seine dunklen Augen blitzen wild, und er eilt tropfensprühend auf mich Erschrockene zu und ruft: „Schönste, schönste Prinzessin! Hier liegt der Prinz von Theben zu Euren Füßen!“
‚Ist es möglich?‘ denk‘ ich mir.
Aber ich bin doch dem Prinzen von Theben gewachsen und ignoriere den Frauenrock, der jetzt unter seinem nassen, mißfarbenen Mantel zum Vorschein kommt.
Und es fällt mir bei Gott nicht schwer, die Situation meinerseits ebenso schnell zu erfassen, wie der Prinz beim Anblick der poetischen, weißen Gestalt, vom roten Lichtschein des Rubinherzens übergossen am flackernden Kamin, sich im Nu ein Bild und eine Situation seiner ewig regen Dichterphantasie geschaffen hat, die den Boden just für diese Wunderblumen darzustellen vermag, die wir uns gegenseitig erblühen lassen können.
O unvergeßliche Stunde, die erste und einzige, in der ich mit Else Lasker-Schüler zusammen war. Kein Hauch der Wirklichkeit hat uns berührt, es war alles nur die Lust der genialischen Täuschung, ein zweistimmig aus dem Stegreif gesungenes Märchengedicht.
Aus: Das liebe Ich und die Zeitgenossen. Skizzen von Grete Gulbransson. In: Velhagen & Klasings Monatshefte 40 (1925/1926) Bd. 2, S. 228–234, hier: S. 229f.
Clarisse1 - 7. Dez, 13:38
Ich habe nie einsehen mögen, warum mittelmäßige Menschen deshalb aufhören sollten, mittelmäßig zu sein, weil sie schreiben können.Christian Morgenstern (1871 – 1914)
Clarisse1 - 28. Nov, 19:34
Verfallen wir nicht in den Fehler, bei jedem Andersmeinenden entweder am Verstand oder am guten Willen zu zweifeln.Otto von Bismark (1815 – 1898)
Clarisse1 - 21. Nov, 09:43
Selbstbeobachtung genügt, um Satiriker zu werden.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)
Clarisse1 - 7. Nov, 14:53
Die meisten Menschen verdunsten einem,
wie ein Wassertropfen in der flachen Hand.Christian Morgenstern (1871 – 1914)
Clarisse1 - 17. Okt, 17:35
Viele Redner reden, um zu reden; andere, um gut zu reden – alle aber, um von sich reden zu machen.Jean Antoine Petit-Senn (1792 – 1870)
Clarisse1 - 8. Okt, 18:00