Samstag, 20. Juni 2009

Autoren, die bestohlen werden . . .

Autoren, die bestohlen werden, sollten sich darüber nicht beklagen, sondern freuen. In einer Gegend, in der Waldfrevel nicht vorkommt, hat der Wald keinen Wert.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Freitag, 19. Juni 2009

Wer sagt's denn . . .

Als sich Adam im Paradies umsah, es zu suchen . . . schuf Gott das Weib.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Dienstag, 16. Juni 2009

Nach berühmten Mustern


Soeben erschienen:

Parodien

Fritz Mauthner: Nach berühmten Mustern. Parodistische Studien – Gesamtausgabe. Hrsg. von Almut Vierhufe. Mit einem Nachwort und Anmerkungen von Almut Vierhufe. Hannover: Wehrhahn Verlag 2009.
[Bibliothek des 19. Jahrhunderts, Bd. 7]

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Mittwoch, 10. Juni 2009

Aufgespießt XLI

Unsere Gewissenhaftigkeit geht so weit, lieber nichts, als an unrechter Stelle zu geben.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Dienstag, 9. Juni 2009

Aufgespießt XL

Diese Literarhistoriker! Was nicht langweilt, unterhält sie nicht.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Samstag, 6. Juni 2009

Vor Sonnenaufgang

von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Bewegte Welt der Berge
Auf Wolken hingebaut!
Das Frühlicht, das erregte,
Nur schmal zum Tale schaut,
Darin die Nacht noch blaut.
Die Wolkenschar zuerst erwacht.
Der Himmel klingt von Geistern laut,
Und ihre Stimme durch die Täler lacht,
Die jedem Klumpen Berg das Herz auftaut.

(Garoet 1915)

Montag, 1. Juni 2009

Alkohol

von Peter Altenberg (1859 – 1919)

Ich bin ein fanatischer Anti-Alkoholiker, aber ausschliesslich nach dem Tolstoi-Prinzipe: Wenn die Menschen einmal so gesundheitsgemäss, so weise mässig, so bewusst, erkennend das Gute und das Böse, leben werden, dann werden sie in ihren genialen Nüchternheiten des Alkohols entbehren können. Die Krücke Alkohol für den Lahmen! Der Alkohol ist das Betäubungsmittel, damit wir es nicht spüren, wie weit entfernt von unseren innersten unentrinnbaren Idealen wir dahin vegetieren! Damit wir nicht vorzeitig verzweifeln! Der Alkohol lässt uns Zeit – – – zum Entschluss des Selbstmords! Der Gulden, den wir mehr ausgeben als wir sollten, die Frau, die wir als Ungeliebte, Unverehrte dennoch in unsere Arme nehmen, die Stunde, die wir dem notwendigen Schlafe rauben, die Nahrung, die wir überflüssigerweise geniessen, alles, alles, was nicht das heilige Notwendige im Haushalt des natürlichen Organismus repräsentiert, es muss durch Alkohol in unseren reuevollen Gedächtnissen ausgetilgt werden! Die Melancholie über seine Sünden, seine Unwissenheiten, seine Schwachheiten muss hinweggeschwemmt werden durch Bier und Wein und Schnaps! Bei irgend einem Glase Bier wird einem die ohne Liebe genossene Frau, der überflüssig ausgegebene Gulden und das ganze Martyrium des Daseins gleichgiltig! Bier besiegt jede unglückliche Stimmung, schwemmt sie dahin. Der Zins steht vor der Türe oder die Schneider- Rechnung. Aber beim vierten Krügel Löwenbräu sage ich dem Hausherrn die grässlichsten Dinge ins Gesicht, innerlich natürlich, schmeisse ich den Schneider die fünf Treppen hinab, innerlich. Und selbst die Geliebte erhält einen Tritt, innerlich. Bier besiegt jede unglückliche Liebe.
Alkohol füllt die schreckliche Kluft aus zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir sein möchten, sein sollten! Werden müssten! Als der Affe erkannte, dass er ein Mensch werden könnte, begann er zu saufen, um den Schmerz seines Noch-Affe-Seins hinwegzuschwemmen. Als der Mensch erkannte, dass er ein Göttlicher werden könnte, begann er zu saufen, um den Schmerz seines Noch-Mensch-Seins hinwegzuschwemmen. Gebt dem Menschen die ihm zugehörige Tätigkeit – geistige oder körperliche –, die ihm zugehörige Frau, die ihm zugehörige Nahrung, die ihm zugehörige Ruhe – – – und er wird es, ohne selbst es zu wissen, spüren: Αριστον μεν ύδωρ*.
Alkohol ist die Ausgleichung für unsere Unzulänglichkeiten! Je zulänglicher wir sind nach den idealen Plänen Gottes, desto weniger Alkohol brauchen wir. Alkohol ist der Massstab für die Melancholie des Idealisten. Ich schwemme es hinweg, dass ich noch nicht göttlich sein kann!

*Das Beste ist das Wasser. Pindar: Olympia I, 1.

Samstag, 30. Mai 2009

Aufgespießt XXXIX

Der Mensch vermag vieles auszuhalten: mancher kann jahrelang leben, ohne geistige Nahrung zu sich zu nehmen.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Mittwoch, 20. Mai 2009

Gut schreiben . . .

'Gut schreiben' ohne Persönlichkeit kann für den Journalismus reichen. Allenfalls für die Wissenschaft. Nie für die Literatur.Karl Kraus (1874 – 1936)

Sonntag, 17. Mai 2009

Aufgespießt XXXVIII

Ich kannte einen, der die Bildung in der Westentasche hatte, weil dort mehr Platz war als im Kopf.Karl Kraus (1874 – 1936)

Mittwoch, 13. Mai 2009

Aufgespießt XXXVII

Der Analytiker macht Staub aus dem Menschen.Karl Kraus (1874 – 1936)

Freitag, 8. Mai 2009

Der Einsame

von Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Nein: ein Turm soll sein aus meinem Herzen
und ich selbst an seinen Rand gestellt:
wo sonst nichts mehr ist, noch einmal Schmerzen
und Unsäglichkeit, noch einmal Welt.

Noch ein Ding allein im Übergroßen,
welches dunkel wird und wieder licht,
noch ein letztes, sehnendes Gesicht
in das Nie-zu-Stillende verstoßen,

noch ein äußerstes Gesicht aus Stein,
willig seinen inneren Gewichten,
das die Weiten, die es still vernichten,
zwingen, immer seliger zu sein.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Männerphantasien


Wenn die H e x e n auf den Wolken fahren, sind sie meist n a c k t.


Anton Birlinger (1834 – 1891): Sagen, Märchen, Volksaberglauben. Freiburg im Breisgau: Herder'sche Verlagshandlung 1861.

Die Wolken

von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Die Wolken, die sich wie im Schlaf hindehnenden,
Hinziehend über des Himmels Abgrund, den gähnenden,
Sie verleben ihre Tage im Schweben.

Wenn sie sich über die Äcker hinheben,
Sind sie wie Frauen, welche der Erde die Brüste geben,
Sind sie wie Betten, ausgebreitet dem Liebesgelüste;

Sind sie wie schreckende, düstere Schattengerüste,
Sind sie die Herde der Sehnenden
In der Sehnsucht blauer unendlicher Wüste.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Maienregen


In den Maienregen sollen die Kinder hinausstehen,
daß sie recht groß werden.


Anton Birlinger (1834 – 1891): Sagen, Märchen, Volksaberglauben. Freiburg im Breisgau: Herder'sche Verlagshandlung 1861.

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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