Freitag, 8. Februar 2008

Ohne Titel

Eine Stadt, in der die Männer von der Jungfrau, die es nicht mehr ist, den Ausdruck gebrauchen, sie habe "es hergegeben", verdient dem Erdboden gleichgemacht zu werden.Karl Kraus (1874 – 1936)

Donnerstag, 7. Februar 2008

Virginität

Das Virginitätsideal ist das Ideal jener, die entjungfern wollen.Als normal gilt, die Virginität im allgemeinen zu heiligen und im besondern nach ihrer Zerstörung zu lechzen.Karl Kraus (1874 – 1936)

Mittwoch, 6. Februar 2008

Freundschaft

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Erster Teil

Es darf eine Freundschaft formell sein,
Muß aber genau sein.
Eine Freundschaft kann rauh sein,
Aber muß hell sein.

Denn Allzusprödes versäumt oder verdirbt
Viel. Weil manchmal der Partner ganz plötzlich stirbt.

Mehr möchte ich nicht darüber sagen.
Denn ich sitze im Speisewagen
Und fühle mich aus Freundschaft wohl
Bei "Gedämpfter Ochsenhüfte mit Wirsingkohl".


Zweiter Teil

Die Liebe sei ewiger Durst.
Darauf müßte die Freundschaft bedacht sein.
Und, etwa wie Leberwurst,
Immer neu anders gemacht sein.

Damit man's nicht überkriegt.
Wer einmal den Kanal
Überfliegt,
Merkt: Der ist so und so breit.
Und das ändert sich kaum
In menschlein-absehbarer Zeit.
Wohl aber kann man dies Zwischenraum
Schneller oder kürzer durchqueren.
Wie? Das muß die Freundschaft uns lehren.

Ach, man sollte diesen allerhöchsten Schaft,
Immer wieder einmal jünglingshaft
Überschwenglich begießen.
Eh' uns jener ausgeschlachtete Knochenmann dahinrafft.

Aufrichtige Freunde

Es gibt wenig aufrichtige Freunde – die Nachfrage ist auch gering.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Aschermittwoch

von Alfred Lichtenstein (1889 – 1915)

Gesten noch ging ich gepudert und süchtig
In der vielbunten tönenden Welt.
Heute ist alles schon lange ersoffen.

Hier ist ein Ding.
Dort ist ein Ding.
Etwas sieht so aus.
Etwas sieht anders aus.
Wie leicht pustet einer die ganze
Blühende Erde aus.

Der Himmel ist kalt und blau.
Oder der Mond ist gelb und platt.
Ein Wald hat viele einzelne Bäume.

Ist nichts mehr zum Weinen.
Ist nichts mehr zum Schreien.
Wo bin ich –

Dienstag, 5. Februar 2008

Fastnachtende

von Ada Christen (1839 – 1901)

Ein tolles Volk, es tobt den Platz entlang,
Auf bunte Masken fließt ein Lichtmeer nieder,
Vermummte Schergen blasen Freiheitslieder,
Bemalte Fischer kreischen alten Sang.

Es springt und lacht der Fraganapa täppisch,
Aus schwarzen Augen sprühen wüste Blitze,
Die Harlekine schnarren seichte Witze,
Die Columbinen tanzen matt und läppisch.

Da tönt vom Markusthurm die Mitternacht –
Das Licht erlischt, – die Narren sind verflogen,
Ihr letztes Jauchzen gellt noch durch die Bogen,
Bald ruht der Platz in einsam, hehrer Pracht.

Montag, 4. Februar 2008

Winterabend

von Detlev von Liliencron (1844 – 1909)

Wie mag ich gern dem lieben Käuzchen lauschen,
Wenn einsam meine Schreibtischlampe brennt.
Durch Gartenruhe und durch Bäumerauschen
Bin ich von Stadt und aller Welt getrennt,
Und möchte wahrlich nicht mit einem tauschen,
Der nun im Smoking zur Gesellschaft rennt.
Viel netter ists, mit Annmarie zu plauschen,
Die, ach, so zärtlich meinen Namen nennt.

Winterabend

von Alfred Lichtenstein (1889 – 1915)

In gelben Fenstern trinken Schatten heißen Tee.
Sehnsüchtge wiegen sich auf hartem Schimmerteiche.
Arbeiter finden eine sanfte Damenleiche.
Johlende Dunkle werfen glimmend blauen Schnee.

An hohen Stangen hängt, verfleht, ein Streichholzmann.
Kaufläden flackern trüb durch frostbeschlagne Scheiben,
Vor denen Menschenleiber wie Gespenster treiben.
Studenten schneiden ein erfrornes Mädchen an.

Wie lieblich der kristallne Winterabend brennt!
Schon strömt ein Platinmond durch eine Häuserlücke.
Bei grünlichen Laternen unter einer Brücke
Liegt ein Zigeunerweib. Und spielt ein Instrument.

Winterabend

von Gottfried Keller (1819 – 1890)

Schneebleich lag eine Leiche, und es trank
Bei ihr der Totenwächter unverdrossen,
Bis endlich ihm der Himmel aufgeschlossen
Und er berauscht zu ihr aufs Lager sank.

Von rotem Wein den Becher voll und blank
Bot er dem Toten; bald war übergossen
Das Grabgesicht und purpurn überflossen
Das Leichenhemd; so trieb er tollen Schwank.

Die trunkne rote Sonne übergießt
Im Sinken dieses schneeverhüllte Land,
Daß Rosenschein von allen Hügeln fließt;

Von Purpur trieft der Erde Grabgewand,
Doch die verblaßte Leichenlippe tut
Erstarrt sich nimmer auf der roten Flut.

Winterabend

von Anastasius Grün (1808 – 1876)

Eisblumen, starr, kristallen an den Scheiben,
Wie ein Gehege vor der Sturmnacht Tosen,
Sie flüstern mir, indeß sie Flimmer stäuben:
Wir sind die Geister schöner Frühlingsrosen!

Schneeflocken wirbeln hin mit weißem Glanze!
Es pochen leis' ans Fenster die versprühten,
Mir lispelnd flüchtig im Vorübertanze:
Wir sind die Geister duft'ger Frühlingsblüthen!

Gefühle steigen auf in meiner Seele,
Wie beim Verklingen ferner Sterbeglocken,
Die bange Wehmuthseufzer meiner Kehle
Und reiche Thränen meinem Aug' entlocken;

Sie aber singen sanft mir ins Gemüthe:
Wir sind die sel'gen Geister deiner Lieben,
Mit denen du durchwallt des Frühlings Blüthe,
Auf deren Grab nun diese Flocken stieben!

Winterabend

von Theodor Fontane (1819 – 1898)

Da draußen schneit es: Schneegeflimmer
Wies heute mir den Weg zu dir;
Ein tret' ich in dein traulich Zimmer,
Und warm ans Herze fliegst du mir –
Ab schüttl' ich jetzt die Winterflocken,
Ab schüttl' ich hinterdrein die Welt,
Nur leise noch von Schlittenglocken
Ein ferner Klang herübergellt.

"Nun aber komm, nun laß uns plaudern
Vom eignen Herd, von Hof und Haus!"
Da baust du lachend, ohne Zaudern,
Bis unters Dach die Zukunft aus;
Du hängst an meines Zimmers Wände
All meine Lieblingsschilderein,
Ich seh's und streck' danach die Hände,
Als müss' es wahr und wirklich sein.

So flieht des Abends schöne Stunde,
Vom fernen Turm tönt's Mitternacht,
Die Mutter schläft, in stiller Runde
Nur noch die Wanduhr pickt und wacht.
Ade, ade! von warmen Lippen
Ein Kuß noch, – dann in Nacht hinein:
Das Leben lacht, trotz Sturm und Klippen,
Nur Steurer muß die Liebe sein.

Rosenmontag

von Otto Erich Hartleben (1864 – 1905)

Am Rosenmontag liegen zwei,
die kalten Hände noch verschlungen –
das Leben strömte rauh vorbei,
die beiden haben's nicht bezwungen.

Als überwunden grüssen sie
den Sieger, dem das Glück begegnet –
im Tod verbunden, segnen sie
all jene, die das Leben segnet.

Sonntag, 3. Februar 2008

Sehnsucht

von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Ihre Arme umschlingen den Mondenschein
Und ringen nach den Sternen,
Die Augen wühlen sich in die Nacht,
In kalte leblose Fernen.
Und es umkrallt die bettelnde Hand
Den tauben Stein, den toten Sand,
Zermalmt von verzweifeltem Sehnen.
Ertrinkend in Sehnsucht und Tränen.

Vorfrühling

von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Wir standen heute still am Zaun von einem fremden Garten,
Sah'n hin und sah'n das Wintergras am Teich auf Sonne warten.
Im Wasser lag verjährtes Laub gleichwie auf Glas,
Am Ufer saß ein Büschel Veilchen jung erblüht im gelben Gras,
Und frisches Lilienkraut wuchs grün bei Tuffsteinblöcken,
Am Himmel oben gingen Wolken jugendlich in weißen Röcken.
Wie wenig Welt tut schon den Augen gut!
Nur ein paar Atemzüge lang hat's Herz dort ausgeruht,
Nur ein paar Augenblicke tat es säumen . . .
Wir sind doch alle in den weiten Lebensräumen
Zaungäste nur bei Wünschen und bei Träumen.

Wintersonne

von Max Dauthendey (1867 – 1918)

Es geht ein Licht vom Himmel wie Rosenmilch. Geht durch die leeren Bäume über den Schnee, über das Schilfdach einer Hütte, über einen kauernden blauen Mann und eine gelbe ziehende Herde.
Der Schnee in blauen Scherben auf dem Hüttendach, um die Hütte in gelben Meerschaumwellen. Vergißmeinnichtblüten und Rosa in den Schneegruben. Der Schnee knistert fiebernd wie Seide. Seiden die Luft, goldweiß und goldrosig gestrählt.
Opalfarben schweben über den Schnee, kaum hörbar, zart wie der Atem der Perlen.
Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß aus weißem Kern. Steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold, und blüht entfaltet wie eine Blume.
Es wird lebendig der Schnee. In blauglimmenden Schatten steigen Flammen und aus Kristallbrüchen Gase, blaue und rosige weiten die Luft. Mit ihnen summende violette Dämpfe, rauschen unter der Hütte, saugen sich im Baumgeäst hoch. Die kahlen Bäume stehen in der Luft, wie die rosigen Adern auf durchsichtigen Blütenblättern.
Es geht aus allem eine nadeldünne Kühle, eine streichelnde Weichheit, wie die Schiller auf kühlen Muschelschalen und Perlmutter.
Der blaue Mann steht gebeugt im Licht. An ihm vorbei zieht die Schafherde aus der Hütte und breitet sich über den Schnee.
Es geht warmer Lichtfriede über den kalten Schnee. Auf Engelfittichen eine kinderlallende Andacht. Im schmeichelnden Gießen von Düften das Entfalten einer Taube auf rosigem Silbergrund. Das wispernde Beten ganz kleiner runder Engel mit Veilchenaugen und Blütenstaub im Haar und Daunenflügel am Nacken. Und Musik von elfenbeinernen Harfen.

Samstag, 2. Februar 2008

Sehnsucht

von Peter Altenberg (1859 – 1919)

Sie spürte es schon lange, daß etwas "nicht ganz in Ordnung" sei.
Sie wußte nicht, was?! Ja, sie wünschte es eigentlich nicht, es je zu wissen. Wozu?! Kann man es denn ändern?!
Oder s o l l man, d a r f man?!
Da fand sie in seinem geheimen Notizbuch einen Namen, eine Telephonnummer, eine Adresse, eine Chiffre.
Da schrieb sie unter d i e s e r Chiffre einen Brief, und zerriß ihn sogleich wieder: "pfui, Seele, so etwas tut man doch nicht, Seele!"
Es blieb also ihr süßes schreckliches Geheimnis, daß sie es w u ß t e,
s p ü r t e, Tag und Nacht, und i m m e r !
Nur, wenn er auf Landpartien vor einem Wiesenstrauche, vor einem schönen Blütenbaume stillstand, für Minuten, so ganz versunken, da fühlte sie: "Er denkt an s i e ! Schrecklich!"

Aufmerksamer Grübler

Er war ein solcher aufmerksamer Grübler, ein Sandkorn sah er immer eher als ein Haus.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Immer wieder Fasching

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Wenn der Fasching kommt, wird viel verboten.
Aber manches wird auch andrerseits erlaubt.
Dann wird nicht nur Dienstboten,
Nein, auch Fürstenhäusern entstammten
Damen oder Frauen von Beamten
Die Unschuld geraubt.

Jeder läßt was springen.
Viel ist los.
Und vor allen Dingen
Beine und Popos.

Wenn sich Masken noch einmal verhüllen
Mit Phantastik, Seide, Samt und Tüllen,
Zeigt sich sehr viel Fleisch und sehr viel Schoß.
Daß wir, eh' wir heimwärts schwanken,
Unsern steifen Hut zerknüllen
Im Gedanken:
Hätten wir die Hälfte bloß!

Also brechen wir auf!
Ach nein, bleiben wir noch,
Bis an ein Loch.
Schließlich löst sich alles doch
In Papier auf.

Man vertrollt sich lärmlich,
Wendet sich erbärmlich,
Jedermann ein abgesetzter Held.

Draußen Sturm. Es hetzen
Über Dächer kalte Wolkenfetzen
Unterm Mond. Wir setzen
Uns ins Auto, fröstelnd vor dem letzten Geld.

Freitag, 1. Februar 2008

Spruch

von Theodor Fontane (1819 – 1898)

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muß in dir selber leben. –

Wenn's deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.

Über die Eifersucht

  • Eifersucht ist eine Krankheit. Denn wieso kommt es sonst, daß man irgendeinmal plötzlich gar nicht eifersüchtig ist, und Einem "Alles ganz egal" wird?! Nur weiß ich es nicht, ist man in diesem Zustande gesund oder erst recht krank, nämlich ein Esel?!
  • Eifersucht wäre erst dann ethisch, und nicht ein schamloser Egoismus, wenn man es bestimmt wüßte, daß man gerade dieser Frau mehr, besseres, wertvolleres zu bieten hätte als der Andere! Aber weiß man es denn?! Ja, man weiß es, daß es nicht ist!
  • "Von heute 7 Uhr abends an bin ich nicht mehr eifersüchtig, basta, Schluß!" nahm sich ein Gequälter vor. Und richtig, er setzte es bei sich durch. Später sagte er: "Wissen Sie, was mir bei der ganzen Beziehung abgeht?! Die Eifersucht!"
Peter Altenberg (1859 – 1919)

Ein verworrnes Bündel Röhren?

Daß die wichtigsten Dinge durch Röhren getan werden. Beweise erstlich die Zeugungsglieder, die Schreibfeder und unser Schießgewehr, ja was ist der Mensch anders als ein verworrnes Bündel Röhren?Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Donnerstag, 31. Januar 2008

Berliner Fasching

von Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Nun spuckt sich der Berliner in die Hände
und macht sich an das Werk der Fröhlichkeit.
Er schuftet sich von Anfang bis zu Ende
durch diese Faschingszeit.

Da hört man plötzlich von den höchsten Stufen
der eleganten Weltgesellschaft längs
der Spree und den Kanälen lockend rufen:
"Rin in die Eskarpins!"

Und diese Laune, diese Grazie, weißte,
die hat natürlich alle angesteckt;
die Hand, die tagshindurch Satin verschleißte,
winkt ganz leschehr nach Sekt.

Die Dame faschingt so auf ihre Weise:
gibt man ihr einmal schon im Jahr Lizenz,
dann knutscht sie sich in streng geschlossnem Kreise,
fern jeder Konkurrenz.

Und auch der Mittelstand fühlts im Gemüte:
er macht den Bockbierfaßhahn nicht mehr zu,
umspannt das Haupt mit einer bunten Tüte
und rufet froh: "Juhu!"

Ja, selbst der Weise schätzt nicht nur die hehre
Philosophie: auch er bedarf des Weins!
Leicht angefüllt geht er bei seine Claire,
Berlin radaut, er lächelt . . .
Jeder seins.

Die Plagiatoren

Alfred Lichtenstein (1889 – 1915)

Ein jeder ist ein Teil vom Schicksal andrer,
Die vor ihm waren und die um ihn gehen,
Die auch nur einmal, eilge Weiterwandrer,
Den Weg ihm kreuzend, flüchtig bei ihm stehen.

Sie kommen, kommen ohne Zweck und Sinn,
Entfernen sich mit leichtem Wanderschritt.
Sie bringen alle etwas zu ihm hin.
Sie nehmen alle etwas von ihm mit.

Ohne Titel

Man kann sicher bei verschlossenen Augen in das erste beste Buch den Finger auf eine Zeile legen, und sagen, hierüber ließe sich ein Buch schreiben. Wenn man die Augen auftut, so wird man sich selten betrogen finden.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Bücher schreiben . . .

Schreibt man denn Bücher bloß zum Lesen? Oder nicht auch zum Unterlegen in die Haushaltung? Gegen eins, das durchgelesen wird, werden Tausende durchgeblättert, andere Tausend liegen stille, andere werden auf Mauslöcher gepreßt, nach Ratzen geworfen, auf andern wird gestanden, gesessen, getrommelt, Pfefferkuchen gebacken, mit andern werden Pfeifen angesteckt, hinter dem Fenster damit gestanden.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Mittwoch, 30. Januar 2008

Des Menschen Hang zum Mystischen

Wenn ich sage, halte deine Zähne rein und spüle den Mund alle Morgen aus, das wird nicht so leicht gehalten, als wenn ich sage, nehme die beiden Mittelfinger dazu und zwar über das Kreuz. Des Menschen Hang zum Mystischen. Man nütze ihn.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Dienstag, 29. Januar 2008

Flügel der Seele

Wenn Plato sagt die Leidenschaften und die natürlichen Triebe seien die Flügel der Seele, so drückt er sich sehr lehrreich aus, solche Vergleichungen erläutern die Sache und sind gleichsam Übersetzung der schweren Begriffe eines Mannes in eine jedermann bekannte Sprache, wahrhafte Definitionen.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Ein Rezensent

von Nikolaus Lenau (1802 – 1850)

Ich las in seinem Buche viel Frivoles,
Scheinbar Verständiges und witzig Hohles,
Ich sah ihn seine Richtermiene schneiden,
Ich sah ihn führen spitzige Lanzetten,
Mit ekler Lust Skandale auszuweiden,
Heliogabaläisch Formen kneten.
Ich sah ihn Unrat sammeln in Retorten,
Er sublimierte ihn zu scharfen Witzen,
Am Boden blieb nach schnellverdampften Worten
Als 'caput mortuum' die Ehre sitzen.

Montag, 28. Januar 2008

Verkehrte Welt

WENN ein deutscher Mann von Genie ein wichtiges Werk schreiben sollte, so müßte er nun noch das äußerste anwenden, nach Paris oder London zu reisen, um dasselbe dort unter seiner Aufsicht übersetzen und dann als französisches oder englisches Original drucken zu lassen. Er könnte dadurch so viel gewinnen, daß sein Werk auch in Deutschland geachtet und geschätzt würde; und ließe er nun gar sein Original als Übersetzung drucken, so könnte er noch obendrein die Freude erleben, daß ihm die Rezensenten nur Übersetzungsfehler vorzählten.Friedrich Maximilian Klinger (1752 – 1831)

Samstag, 26. Januar 2008

Ohne Titel

Nichts ist in seinem Ursprung jämmerlicher und in seinen Folgen gräßlicher, als die Furcht, lächerlich zu sein. Daher z. B. die Knechtschaft der Weiber und mancher andre Krebsschaden der Menschheit.Friedrich Schlegel (1772 – 1829)

Freitag, 25. Januar 2008

Eifersüchtige Liebe

von Wilhelm Müller (1794 – 1827)

Wenn die Lieb' ist eifersüchtig, so bekömmt sie hundert Augen,
Doch es sind nicht zwei darunter, die grad' aus zu sehen taugen.

An meine Kritiker

Ludwig Thoma (1867 – 1921)

Ohne bei den Rezensenten – –
Die mein wahres Wesen kennten
Und die mir verlieh'nen Gaben – –
Ohne angefragt zu haben,
Wagte ich es, ernst zu sein.

Wie ich nun die Hausaufgabe
Ihnen vorgewiesen habe,
Sprachen sie: "Das ist ein Thema
Nicht von Ihrem alten Schema,
Wo ist Ihr Erlaubnisschein?"

Ja, so hat Verlegenheiten,
Wer dem Wunsch der Obrigkeiten
Irgendwie zuwiderhandelt
Und die eignen Pfade wandelt,
Denn es muß mal Ordnung sein.

Bilderschrift für das Ohr

Es donnert, heult, brüllt, zischt, pfeift, braust, saust, summet, brummet, rumpelt, quäkt, ächzt, singt, rappelt, prasselt, knallt, rasselt, knistert, klappert, knurret, poltert, winselt, wimmert, rauscht, murmelt, kracht, gluckset, röcheln, klingelt, bläset, schnarcht, klatscht, lispeln, keuchen, es kocht, schreien, weinen, schluchzen, krächzen, stottern, lallen, girren, hauchen, klirren, blöken, wiehern, schnarren, scharren, sprudeln. Diese Wörter und noch andere, welche Töne ausdrücken, sind nicht bloße Zeichen, sondern eine Art von Bilderschrift für das Ohr.
Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Neganten

Es gibt Menschen, deren ganze Tätigkeit darin besteht, immer Nein zu sagen. Es wäre nichts Kleines, immer recht Nein sagen zu können, aber wer weiter nichts kann, kann es gewiß nicht recht. Der Geschmack dieser Neganten ist eine tüchtige Schere, um die Extremitäten des Genies zu säubern; ihre Aufklärung eine große Lichtputze für die Flamme des Enthusiasmus; und ihre Vernunft ein gelindes Laxativ gegen unmäßige Lust und Liebe.Friedrich Schlegel (1772 – 1829)

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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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2017 in 4. Auflage erschienen:


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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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