Samstag, 23. Februar 2008

Sinniges Sinnliches Sittliches


Freitag, 23. Februar 2007 – Samstag, 23. Februar 2008

Mit Karl Kraus fing alles an . . .

Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.
Mehr von Karl Kraus:

Karl-Kraus-fuer-Boshafte2

Karl Kraus für Boshafte. Insel Verlag 2006.


Freitag, 22. Februar 2008

Aus aktuellem Anlass . . .

Wenns gut geht, wirft sich der Unternehmer in die Brust; sein Verdienst beruht auf seinem Verdienst, und weil er das Risiko getragen hat, will er auch den Hauptanteil des Gewinnes für sich.
Wenns schief geht, sind die Umstände daran schuld. Dann muß der Staat einspringen und das Defizit decken, denn Kohlengruben, Stahlwerke und die Landwirtschaft dürfen nicht Not leiden. Und sie leiden auch keine Not, weil sie notleidend sind.
Auf alle Fälle aber kann der Unternehmer nichts dafür, er trägt die Verantwortung, und wir tragen ihn.
Peter Panter [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Donnerstag, 21. Februar 2008

"Öl der Liebe"

Der moderne Mensch "läuft" zu leicht "heiß". Ihm fehlt zu sehr das Öl der Liebe.Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Mittwoch, 20. Februar 2008

Das Problem

von Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Der Zwölf-Elf kam auf sein Problem
und sprach: 'Ich heiße unbequem.
Als hieß ich etwa Drei-Vier
statt Sieben – Gott verzeih mir!'

Und siehe da, der Zwölf-Elf nannt sich
von jenem Tag ab Dreiundzwanzig.

Dienstag, 19. Februar 2008

Aufgespießt XXI

Analyse ist der Hang des Schnorrers, das Zustandekommen von Reichtümern zu erklären. Immer ist das, was er nicht besitzt, durch Schwindel erworben. Der andere hat's nur; er aber ist zum Glück eingeweiht.Karl Kraus (1874 – 1936)

Montag, 18. Februar 2008

Aufgespießt XX

Wenn man bedenkt, daß dieselbe technische Errungenschaft der "Kritik der reinen Vernunft" und den Berichten über eine Reise des Wiener Männergesangvereines gedient hat, dann weicht aller Unfriede aus der Brust und man preist die Allmacht des Schöpfers.Karl Kraus (1874 – 1936)

Samstag, 16. Februar 2008

Der Liebende an eine verwelkte Blume

von Charlotte von Ahlefeld (1781 – 1849)

Diese Blume – ach sie kam von ihr!
Auch verwelkt noch ist sie heilig mir.
Längst sind ihre Farben hingeschwunden,
Wie die Seeligkeit vergangner Stunden –
Aber dennoch bleibt sie heilig mir,
Diese Blume – denn sie kam von ihr.

Tausend blühen schimmernd jetzt im Hain –
Farb' und Duft erfüllt ihr kurzes Seyn –
Aber mich reizt ihre Schönheit nicht,
Wenn nicht ihre Hand sie für mich bricht.
Längst verblichne Blume, Du allein
Sollst mir Weihgeschenk des Frühlings seyn.

Thränen trüben schwellend meinen Blick,
Denk' ich an den schönen Tag zurück,
Wo sie Dich im Morgenthau mir pflückte,
Und ich zärtlich an mein Herz Dich drückte.
Theure Blume – – mein entfloh'nes Glück
Kehrt wie deine Farbe nie zurück!

Freitag, 15. Februar 2008

"lauttroie rechtschraibung" anno 1910


– die Alternative zur aktuellen Rechtschreibreform . . .

ortograhf

Anzeige aus: Der Sturm, 1910

Die wilde Rose

von Louise Aston (1814 – 1871)

Da droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht,
Und wer sie von Ferne gesehen,
In heißer Sehnsucht erglüht.

Zu ihr über Felsen und Klüfte
Ein kühner Jäger klimmt.
Schon ist er in nächster Nähe –
Das Auge in Thränen ihm schwimmt.

Er will sie erfassen und pflücken,
Da strauchelt jäh sein Fuß;
Des Abgrunds finstere Tiefe
Empfängt ihn mit kaltem Kuß.

Da droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht,
Und wer sie von Ferne gesehen,
In heißer Sehnsucht erglüht. –

Aus: Freischärler-Reminiscenzen. Zwölf Gedichte (1849/50)

Donnerstag, 14. Februar 2008

Mamillaria Pusilla

von Maria Luise Weissmann (1899 – 1929)

Sie stehen fremd in einem reinen Rund,
Tief in sich eingehüllt wie in Gefieder.
Sie gehn in sanfter Wölbung auf und nieder,
Sie bergen Zärtlichkeit in ihrem Grund,

Der unergründlich ist: sie ragen nah
Und sind Entfernte, zauberisch bewehrt.
Dann plötzlich, so entfremdet abgekehrt,
Scheinen sie näher und vertrauter da,

Rufen sie eine sanft verwehte Gier
Nach Liebkosungen, darin sie erschlossen
Sich öffneten. Doch einem schönen Tier

Unfaßbar gleich in ihrer stummen Ruh
Stehen sie unbewegt und ungenossen
Und sie versagen sich so tief wie Du.

"jederMann"

Wenn eine Frau sagt 'Jeder', meint sie: jedermann.
Wenn ein Mann sagt 'Jeder', meint er: Jeder Mann.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Mittwoch, 13. Februar 2008

Die Katzen

von Maria Luise Weissmann (1899 – 1929)

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,
Und ihre Leiber fließen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füße breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.

Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.

Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.

Mittwoch

Am M i t t w o c h soll man nicht von den Hexen reden.Aus: Anton Birlinger (1834 – 1891): Sagen, Märchen, Volksaberglauben. Volksthümliches aus Schwaben 1

Dienstag, 12. Februar 2008

Dienstag

Dienstag (plattd. Dingsdag, saterl. teisdej) gehört zu den glücklicheren Tagen. Er eignet sich für Hochzeiten und alle jene Handlungen, die am Montag verboten sind.Aus: Peter Friedrich Ludwig Strackerjan (1825 – 1881): Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg

Montag, 11. Februar 2008

Es kann nur besser werden . . .

Rauher Montag, glatte Woche.Aus: Karl Baartsch (1832 – 1888): Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg

Sonntag, 10. Februar 2008

Morgensonne

von Hermann Löns (1866 – 1914)

Die Morgensonne umbrandet
Den Wald mit brausender Flut,
Gold ist vor meinen Augen
Und rosenrote Glut.

Gold ist vor meinen Augen
Und rosenrote Glut,
Die warme Morgensonne
Auf deinem Haare ruht.

Samstag, 9. Februar 2008

Und die Sonne kommt!

von Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Und die Sonne kommt! und die Sonne kommt! und es wird doch ein schöner Tag!
Immer weiter reißen die Risse in den Wolken und immer blauer leuchtet der Himmel dahinter und über dem Forsthof steigen die Tauben und auf den Wiesen funkelt der Tau . . .
bunte Schmetterlinge fliegen und die Blumen nicken und lachen und vom Birkenhang über den Bach her
klingt ein fröhliches Erntelied.

Die Sonne kommt! die Sonne kommt! und es wird doch ein schöner Tag!

Sonnentage

von Cäsar Flaischlen (1864 – 1920)

Sonnentage der Seele . . .
da sie stille liegt in wunschlosem Traum, wie der Märchensee hoch oben in stiller Schwarzwaldberge grüner Einsamkeit!

Keine Welle kräuselt seinen klaren Spiegel . . .
nur wenn eine weiße Wasserrose in froher Sonnensehnsucht sich aus seiner Tiefe hebt
oder wenn ein kleiner Vogel, ein Liedchen zwitschernd, über ihn streift, mit leichtem Flügel
oder wenn
ein braunes Reh wo aus den Tannen tritt, an ihm zu trinken.

Erste Sonne

von Hermann Conradi (1862 – 1890)

Wie gerne lass' ich von der ersten Sonne
Mich bescheinen! – Wenn der Januar
Mit seiner Atemzüge Eishauch wich –
Wenn in der Monde Schnur die zweite Perle
Sich übertropfen läßt von Goldreflexen –
Der Winternebel Vorhang in zwei Stücke
Geborsten ist ... und ihrer Gnaden Truhe
Nach träumerischer Rast die Sonne leert –
Den ganzen Köcher ihrer funkelnden Pfeile:
Wie gerne lass' ich mich von dieser Sonne,
Von dieser Sonne sanft verkühltem Licht
Bescheinen! Leise kommt auf leichten Sohlen
Ein Sinnen über mich ... ein dunkles Suchen –
Und doch, wie so klar und wunschlos still ...
All' Winterunrast hab' ich abgetan –
Als schritte ich auf Wolken, treib' ich hin ...
Die Augen halb geschlossen ... seltsam müde –
Und an den Sonnenstrahl, der mich berührt ...
Leise, ganz leise meine Wange streift,
Möcht' ich mich lehnen ... und in seiner Goldspur
Verdämmern lassen meiner Seele Leben ...

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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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