Donnerstag, 7. August 2014

Die 2. Auflage ist erschienen:


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Kurt Tucholsky für Boshafte. Ausgewählt von Christine M. Kaiser. 2. Auflage. Berlin: Insel Verlag 2014. it 3647. 115 Seiten.

Eine Wannseegeschichte . . .


Paula
von Klabund [i. e. Alfred Henschke (1890 – 1928)]

Paula, ein junges Mädchen von zweifelhaftem Berufe und lockeren Sitten, begab sich an den Wannsee und mietete sich dort ein Ruderboot, die Stunde zu 85 Pfennig. Wie sie es so von ihrem Leben gewohnt war, ließ sie sich von der Strömung treiben. Plötzlich teilten sich die Wogen vor ihr und ein junger Mann tauchte gleich einem Nix aus der grauen Flut und schwang sich mit nervigen Fäusten in das Boot. Er trug nicht einmal einen Badeanzug, was sie keineswegs verwunderte.
"Sind Sie ein Wassergott?" fragte Paula, die sich zuweilen mit Mythologie beschäftigte.
Der junge Mann öffnete den verständnislosen Mund zu einem gewinnenden Lächeln.
"Gewiß doch; ich bin Stadtreisender."
"Warum, wenn man fragen darf? Und was suchen Sie bei mir?"
"Eben das", sagte der junge Mann und deckte seine Blöße mit einem Schatten zu, der von seinem Haupte fiel.
Darauf zog er einen Ring von seinem Finger und flüsterte: "Elli, meine süße Braut."
Paula, auf rechten Namen weniger als auf rechte Gesinnung bedacht, wagte es nicht, den Jüngling zu desillusionieren und ihm einen Korb zu geben, den er sich hätte höher hängen können, und sie waren sehr glücklich.
Nach einer halben Stunde sah der Jüngling erschreckt zum Himmel und rief: "Es ist schon halb vier", worauf er in den Wellen mit einem Hechtsprung verschwand, den ihm so leicht kein Hecht nachmachte. Paula winkte ihm, bis er im Freibad verfloß. Dann kam sie wieder zu sich und bemerkte den Ring an ihrem Finger. Sie küßte ihn und ruderte ans Ufer, bis sie Schwielen an den Händen bekam. Sie nahm in der Stadtbahn ein Billett zweiter Klasse, während sie sonst nur dritter fuhr.
Sie ging zu einem Juwelier.
Der Ring war falsch.
Empört durchbohrte sie den Juwelier, der ihr diese schnöde Auskunft gab, mit einer Hutnadel, welche trotz polizeilicher Vorschrift ungesichert war.
Die Polizei sollte wirklich darauf achten, daß ihren Verordnungen besser entsprochen wird. Viele Verbrechen und Unglücksfälle ließen sich so auf die einfachste Art vermeiden.
Paula beschloß, Jünglingen ohne Badehose künftig aus dem Wege zu gehen.

aus: Kunterbuntergang des Abendlandes

Montag, 4. August 2014

Aus gegebenem Anlass . . .


Die Harzreise
von Heinrich Heine (1797 – 1856)

"[…] Nun machten auch die Studenten Anstalt zum Abreisen, die Ranzen wurden geschnürt, die Rechnungen, die über alle Erwartung billig ausfielen, berichtigt; die empfänglichen Hausmädchen, auf deren Gesichtern die Spuren glücklicher Liebe, brachten, wie gebräuchlich ist, die Brockensträußchen, halfen solche auf die Mützen befestigen, wurden dafür mit einigen Küssen oder Groschen honoriert, und so stiegen wir alle den Berg hinab, indem die einen, wobei der Schweizer und Greifswalder, den Weg nach Schierke einschlugen, und die andern, ungefähr zwanzig Mann, wobei auch meine Landsleute und ich, angeführt von einem Wegweiser, durch die sogenannten Schneelöcher hinabzogen nach Ilsenburg. HIER geht's weiter

Dienstag, 1. Juli 2014

Zum Geburtstag

Variation nach Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Der Juli kam. Lind weht die Luft.
Geschoren ist der Rasen.
Ein wonnevoller Rosenduft
Dringt tief in alle Nasen.

Manch angenehmes Vögelein
Sitzt flötend auf den Bäumen,
Indes die Jungen, zart und klein,
Im warmen Neste träumen.

Flugs kommt denn auch dahergerennt,
Schon früh im Morgentaue,
Mit seinem alten Instrument
Der Musikant, der graue.

Im Juli, wie er das gewohnt,
Besucht er einen Garten,
Um der Signora, die da thront,
Mit Tönen aufzuwarten.

Er räuspert sich, er macht sich lang,
Er singt und streicht die Fiedel,
Er singt, was er schon öfter sang;
Du kennst das alte Liedel.

Und wenn du gut geschlafen hast
Und lächelst hold hernieder,
Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast,
Zum nächsten Juli wieder.

Freitag, 16. Mai 2014

IN MEMORIAM . . .


"Ihr seid jetzt traurig,
aber ich werde euch wiedersehen,
dann wird euer Herz sich freuen
und eure Freude wird euch niemand nehmen."
Joh. 16,22

Montag, 12. Mai 2014

Noch mehr Lesen . . .

Lest nicht, wie die Kinder, zum Vergnügen, noch wie die Streber, um zu lernen, nein, lest, um zu leben.Gustave Flaubert (1821 – 1880)
Denn mit den Geistern anderer Jahrhunderte verkehren, ist fast dasselbe wie reisen.René Descartes (1596 – 1650)
Man ist neugierig, die Stellen im Buche zu lesen, die ein andrer unterstrichen hat.Jean Paul (1763 – 1825)

Sonntag, 11. Mai 2014

Wie wahr . . .

Nichts wird so oft unwiederbringlich versäumt wie eine Gelegenheit, die sich täglich bietet.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Freitag, 9. Mai 2014

Aus traurigem Anlass . . .


Da nimm. Das laß ich dir zurück, oh Welt . . .
Es stammt von dir. Es sei von neuem dein.
Da, wo ich jetzo will hinaus, hinein,
bin ich nicht mehr auf dich gestellt.

[ . . . ]

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Montag, 5. Mai 2014

Noch mehr Langeweile

. . . und manche Ehe ist nichts weiter als der heilige Bund, den zwei Menschen gegen die Langeweile schließen – freilich nicht immer mit Erfolg.Emanuel Wertheimer (1846 – 1916)

Emanuel Wertheimers komplette Ausführungen zum Thema "Langeweile" finden sich HIER

Dienstag, 29. April 2014

Langeweile

Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen; viel schlimmer jedoch ist es, wenn nur einer von ihnen den andern langweilt.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Samstag, 26. April 2014

Aus gegebenem Anlass . . .

Manche Leute müssen über ihre Dummheit durchaus öffentlich quittieren.Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Mittwoch, 23. April 2014

Aus gegebenem Anlass . . .


Heute ist der Welttag des Buches 2014.


Lebenslust-mit-KT


Lebenslust mit Kurt Tucholsky. Ausgewählt von Christine M. Kaiser. Berlin: Insel Verlag 2010. it 3628. 119 Seiten.

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Mittwoch, 9. April 2014

Kritisches Wörterbuch . . .

Mein kritisches Wörterbuch. Quacksalber, Kurpfuscher, Humbug usw. – Lieblingswörter des Philisters, der sich gewaltig über all das erhaben fühlt. Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Dienstag, 8. April 2014

Die meisten Menschen . . .

Die meisten Menschen sprechen nicht, zitieren nur. Man könnte ruhig fast alles, was sie sagen, in Anführungsstriche setzen; denn es ist überkommen, nicht im Augenblick des Entstehens geboren.Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Donnerstag, 3. April 2014

Wie wahr . . .

Eine ungeschickte Schmeichelei kann uns tiefer demütigen als ein wohlbegründeter Tadel.Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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"Wer ein Buch zusammenstellt mit hilfreicher Weisheit, erdacht von anderen Köpfen, leistet der Menschheit einen größeren Dienst als der Verfasser eines Epos' der Verzweiflung." – Ella Wheeler Wilcox (1850 – 1919)

2017 in 4. Auflage erschienen:


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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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