Vermischtes

Samstag, 6. Dezember 2008

Weihnachten

Theobald Tiger [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Nikolaus der Gute
kommt mit einer Rute,
greift in seinen vollen Sack –
dir ein Päckchen – mir ein Pack.
Ruth Maria kriegt ein Buch
und ein Baumwolltaschentuch,
Noske einen Ehrensäbel
und ein Buch vom alten Bebel,
sozusagen zur Erheiterung,
zur Gelehrsamkeitserweiterung . . .
Marloh kriegt ein Kaiserbild
und nen blanken Ehrenschild.
Oberst Reinhard kriegt zum Hohn
die gesetzliche Pension . . .
Tante Lo, die, wie ihr wißt,
immer, immer müde ist,
kriegt von mir ein dickes Kissen. –
Und auch hinter die Kulissen
kommt der gute Weihnachtsmann:
Nimmt sich mancher Leute an,
schenkt da einen ganzen Sack
guten alten Kunstgeschmack.
Schenkt der Orska alle Rollen
Wedekinder, kesse Bollen –
(Hosenrollen mag sie nicht:
dabei sieht man nur Gesicht . . . ).
Der kriegt eine Bauerntruhe,
Fräulein Hippel neue Schuhe,
jener hält die liebste Hand –
Und das Land? Und das Land?
Bitt ich dich, so sehr ich kann:
Schenk ihm Ruhe –
lieber Weihnachtsmann!

Sonntag, 2. November 2008

Idealistische Geburt

Manche Menschen haben bloß männliche, andere bloß weibliche Gedanken. Daher gibt es so viele Köpfe, die unfähig sind, Ideen hervorzubringen, weil man die Gedanken beider Geschlechter vereint besitzen muß, wenn eine idealische Geburt zustande kommen soll.Ludwig Börne (1786 – 1837)

Freitag, 19. September 2008

Schenken

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.

Dienstag, 16. September 2008

EinBlick


. . . in die Finnische Nationalbibliothek, Helsinki

Kuppel2

Montag, 15. September 2008

Ich habe gebangt um dich

von Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Ich habe gebangt um dich.
Ich wäre so gern für dich gegangen. –
Du hättest im gleichen Bangen
Dann gewartet auf mich.

Ich hörte nicht mehr
Und ich sah auch nicht.
Ein Garnichts floh vor mir her,
Gefrorenes Licht.

Nun atmet mein Dank so tief,
Und die Welt blüht im Zimmer. –
Daß alles so gnädig verlief,
Vergessen wir's nimmer!

Dienstag, 9. September 2008

Karl Kraus

von Ignaz Wrobel [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Am Freitag las Karl Kraus im Bechstein-Saal aus seinen Schriften – Karl Kraus, der wiener Herausgeber der Fackel, die im Kriege so vielen dunklen Köpfen vorangeleuchtet hat. Er las künstlerisch Gestaltetes aus der großen Zeit.
Gestank steigt auf, es war, als ob ein geschichtliches Grammophon zurückgedreht wurde, die herrliche, die große Zeit stand noch einmal da im bunten Glanze all ihrer Uniformen – Hurra! Fürsten, Könige, Universitätsprofessoren, Durchhalter aller Kaliber, Presselumpen, Schmöcke, Offiziere und Huren – all das Gelichter ließ er noch einmal erstehen. Und es erstand und war lebendig – Kraus sagt einmal selbst, es sei die tragische Pflicht seiner Figur, vor alles, was wirklich geschehen sei, nur die Anführungsstriche zu setzen, und dann glauben die Leute, er habe es erfunden. So etwas gebe es nicht – so etwas könne man nur erfinden . . . Aber es ist immer wahr gewesen.
Tot ist die Zeit, und so lebendig! Hat sich denn etwas geändert? Wenn man diese Vorlesung hörte, muß man sagen: kaum. Kraus las aus seinem gewaltigen Drama "Die letzten Tage der Menschheit" – das in Zeitungsausschnitten, Reden, Zitaten und Presseberichten das Jammerbild dieser großen Jammerzeit in fotografischer Treue wiedergibt. Ein Tosen ging durch den Saal, als Kraus meisterhaft leise und klar von der Audienz vortrug, die Seine Majestät der Kaiser dem wiener Schriftsteller Hans Müller in der wiener Hofburg gewährt hatte und nach der beide, hoch voneinander entzückt, geschieden waren: "Daß der Kaiser auf einen Brünner Juden hereinfällt, das ist ja weiter kein Wunder – aber daß ein Brünner Jud auf den Kaiser hereinfällt . . . !" Nur eine schüchterne Pfeife sang leise das Lied von der deutschen Mannentreue in den Jubel . . .
Aber der Höhepunkt des Abends war doch der Brief, den Rosa Luxemburg im Jahre 1917 aus dem preußischen Weibergefängnis in Luckau an Sophie Liebknecht geschrieben hat. Wie in diesem Brief da das Weh einer ganzen Menschheit klagt, wie die Leiden der aus Rumänien geraubten Büffel, die vor Kommißwagen gespannt waren, der unvergessenen Frau Tränen entlockten – "und ich weinte ihre Tränen!" –, das brannte sich in die Herzen. Und bei diesen Worten: "Und der ganze herrliche Krieg zog an mir vorbei" dachten wir der Toten.
Hat sich etwas gewandelt? Der Saal erbrauste, und Kraus verneigte sich. Hier in Berlin wäre er längst ein toter Mann – er hätte sich sicherlich seiner – ungesetzlichen – Verhaftung durch die Flucht entzogen und wäre unterwegs auf einem Transport abhanden gekommen. Wohl ihm, daß er in Wien lebt.
Hat sich etwas gewandelt? Nein. Und wir schieden von Karl Kraus, im Ohr diese Worte:
"Und Kaiserreiche haben Präsidenten an der Spitze!"

Aus: "Freiheit", 31.05.1920

Montag, 1. September 2008

???

Mit offenen Augen vom Coupé, vom Wagen, vom Boot, vom Fiacre aus die Dinge an sich vorüberziehen lassen, das ist das A und O des Reisens.Theodor Fontane (1819 – 1898)

Sonntag, 31. August 2008

Zwei große Männer . . .

Frankfurt hat zwei große Männer hervorgebracht: Goethe und Gussy Holl.Ignaz Wrobel [i. e. Kurt Tucholsky (1890 – 1935)]

Freitag, 29. August 2008

Selbsterhalt

Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe. Ich weiß aber so viel, beides trägt nichtsdestoweniger zur Erhaltung meines Geistes und Leibes bei.Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Donnerstag, 28. August 2008

Ukas

von Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Durch Anschlag mach ich euch bekannt:
Heut ist kein Fest im deutschen Land.
Drum sei der Tag für alle Zeit
zum Nichtfest-Feiertag geweiht.

Helfen Sie mit!


Herzlich willkommen!


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"Es gibt Worte, die nie gesagt werden dürfen, sonst sterben sie ..." – Kurt Tucholsky

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"Wer ein Buch zusammenstellt mit hilfreicher Weisheit, erdacht von anderen Köpfen, leistet der Menschheit einen größeren Dienst als der Verfasser eines Epos' der Verzweiflung." – Ella Wheeler Wilcox (1850 – 1919)

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IN MEMORIAM


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HELMUT ZEH

† 1. Juli 2005

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